Kashmir stand schon lange auf meiner Reise-Wunschliste, aber die politische Situation hatte es in den Jahren der Unruhe nicht zugelassen. Als sich die Lage beruhigt hatte war es endlich soweit. Von Delhi sind wir nach Jammu im Bundesstaat Jammu & Kashmir geflogen und von dort nach Kashmir gereist. 

Andere westliche Touristen haben wir zu der Zeit noch kaum dort gesehen. Entsprechend überrascht waren die Kashmiri, wenn sie uns sahen und überall wurden wir unglaublich freudig und freundlich aufgenommen. Es war die Freude, dass sich endlich wieder westliche Touristen hierher wagten. Wir hatten den Eindruck, dass sie uns als ein kleines Zeichen sahen, dass die Zeiten nun vielleicht wieder besser würden.

Meine Erwartungen an Kashmir waren groß. Soviel überschwenglich begeisterte Reiseberichte gab es von Reisenden, die in früheren Zeiten dort waren - vom idyllischen Dal See mit seinen unzähligen Hausbooten und den Hillstations in den schönsten Bergregionen der Umgebung. Alle früheren Reisenden schwärmten in den höchsten Tönen... 

Von Delhi aus sind wir nach Jammu, der Hauptstadt des Bundesstaates Jammu & Kashmir geflogen. Am Flughafen wartete schon unser Guide Tanseef, unser Fahrer Jan und der Jeep, mit denen wir die nächsten drei Wochen unterwegs sein würden. In Jammu haben wir uns nur kurz aufgehalten - haben uns den bedeutendsten Tempel der Stadt, den Ranbireshwar Tempel angeschaut. Er ist eine der ältesten und größten in Nordindien, der Lord Shiva gewidmet ist. Allerdings muß ich gestehen - viel Augen hatte ich nicht für diesen durchaus interessanten Tempel - nicht mal Fotos habe ich seinerzeit gemacht, denn ich wollte lieber raus aus der großen Stadt, um in die Berge und die Natur zu kommen.

Nach einer interessanten Überlandfahrt haben wir nach 110 km und vier Stunden Fahrt Patnitop erreicht. Bei den Indern war die kleine Hillstations als Urlaubsziel in den Bergen schon damals recht beliebt. Für uns war es nur eine kurze Zwischenstation. In Pahalgam, einer weiteren Hillstation auf dem Weg in den Norden nach Srinagar, wollten wir uns aber etwas intensiver umschauen und hatten zwei volle Tage eingeplant.

Ganz in der Nähe liegt das kleine Dorf Aru, das vor vielen Jahren in die Schlagzeilen geraten war. 1995 wurden hier sechs Backpacker von einer islamischen "Aktions"-Gruppe entführt. Einer konnte fliehen, einer wurde tot aufgefunden und von den anderen vier Männern fehlt bis heute jede Spur. Es war schon ein etwas beklemmendes Gefühl in diesem Ort zu sein. aber unsere Bedenken verflogen recht schnell, denn die Einheimischen waren so freundlich, dass wir uns hier trotzdem sogleich sehr wohl gefühlt haben. Von Aru aus wollten wir gerne weiter hinauf zum Tal von Lidderwat. Wir hatten einen herrlichen Reitausflug dorthini gemacht. Etwa zwei Stunden dauerte der Ritt mit einem einheimischen Guide, der gleichzeitig auch der Eigentümer der Pferde war. Es ging durch eine herrliche Wiesenlandschaft, die das Herz eines jeden Reiters höher schlagen läßt. 

Ein weiterer Ausflug führte uns von Pahalgam aus an den Startpunkt des Pilgerweges zur Amarnath Höhle, den sog. Pishu Point auf 3.270 m. Der Aufstieg war steil, aber dafür wurde auch der Ausblick zurück auf das Tal mit jedem Meter besser. Während des ganzen Jahres pilgern Gläubige zu dieser Höhle, die auf 3.882 m liegt und nur zu Fuß von den Orten Pahalgam und Batal aus zu erreichen ist. Im hinduistischen Monat Shravan (Juli-August) machen sich allerdings Tausende und Abertausende Hindus auf den Weg dorthin, da sich dann in der Höhle ein Stalakmit aus Eis bildet, der als Symbol für ein Shiva Linga gilt und den Hindus besonders heilig ist. Es ist eine anstrengende Wanderung, denn man muß an einem Tag hin und auch wieder zurück gelangen, da es unterwegs keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Jetzt im Juni liefen bereits die Vorbereitungen zu dieser großen Amarnath Yatra

Srinagar war für die nächsten Wochen der "Dreh- und Angelpunkt" unserer Reise. Von hier aus besuchten wir die Hillstations Yusmarg, Gulmarg und Sonamarg. Zwischendurch verbrachten wir immer wieder einige Tage in Srinagar, um die interesante Stadtund und die Umgebung zu erkunden. Auch wenn eine stattliche Militärpräsenz an mancher Stelle ein etwas beklemmendes Gefühl hinterließ, habe ich mich dort zu jeder Zeit wohl und sicher gefühlt und die Zeit sehr genossen.

Die Lage der Stadt direkt am See, dieser unglaublich idyllische Dal See, umgeben von den teils schneebedeckten Bergen des Himalaya ist einfach nur begeisternd schön. In aller Ruhe und mit viel Zeit haben wir uns die bedeutenden Stätten angeschaut. .

Schon ganz früh an unserem ersten Morgen in Srinagar brachen wir mit der Shikhara unseres Hausbootes auf zum "schwimmenden" Gemüsemarkt. Tagtäglich während der Erntemonate kommen die einheimischen Bauern mit Ihren Langbooten und Shikharas hierher, um frisch geerntetes Gemüse und viele andere Dinge zu verkaufen oder einzukaufen. Gleichzeitig wird die Gelegenheit genutzt die neuesten Neuigkeiten und jede Form von "Klatsch und Tratsch" auszutauschen. Lange haben wir uns das bunte Treiben auf dem Wasser unter den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne fasziniert angeschaut und viel zu viele Fotos gemacht.

Fast entsetzt schaute uns Tanseef an als wir den Bazar in der Altstdt von Srinagar besuchen wollten...das sei viel zu gefährlich...da könnten wir unmöglich hingehen. Doch - wir wollten und konnten. Tanseef schien wirklich besorgt zu sein, denn er wich die ganze Zeit nicht von unserer Seite, dass es uns vor den Einheimischen schon fast peinlich war. So machte der Besuch des Bazar wenig Sinn. Nach einiger Zeit konnten wir ihn schließlich überzeugen, dass uns hier ganz offensichtlich keinerlei  Gefahr drohte und er jetzt nicht mit uns hier dauernd herumlaufen müsse - wir könnten uns doch in einer Stunde wiedertreffen. Darauf ging er schließlich ein und wir konnten endlich in aller Ruhe hier herum strohmern, einige leckere Köstlichkeiten probieren und kaufen und natürlich viele schöne Erinnerungsfotos machen.

Sehenswert ist unbedingt die Hasrat Bal Moschee, das Hari Prabath Fort mit der schönen Aussicht über den See und die Stadt und natürlich die Altstadt von Srinagar mit der Jama Mashjid Moschee, dem Mausoleum von Basah und dem Shah-e-Hamdan Schrein.

Von den Hillstations rund um Srinagar hat mich Sonamarg oder besser gesagt die Umgebung von Sonamarg am meisten begeistert. Das Tal von Sonamarg liegt knapp 80 km östlich von Srinagar am Srinagar-Leh-Highway auf sommerfrischen 2.740 m. Schon die Fahrt dorthin war phantastisch. Kaum hatten wir das Tal von Srinagar, das auf ca. 1.700 m liegt, verlassen, geht es langsam höher hinauf. Erste schneebedeckte Berge zeigen sich und die Ausblicke werden immer beeindruckender.

Von hier aus sind wir noch ein Stück weiter in Richtung Osten gefahren. Hier liegt auch Batal, der zweite Startpunkt des Pilgerweges zur Amarnath Höhle. Die Vorbereitungen für die große Pilgerzeit (Yatra) im Juli-August waren hier schon in vollem Gange. Ein gigantisches Zeltcamp war hier aufgebaut worden, dass Übernachtungsmöglichkeiten für die Pilger bot, denn ganz früh am Morgen mit dem ersten Licht mußte man aufbrechen um rechtzeit am Abend mit dem letzten Licht wieder zurück zu sein.

Nur wenige Kilometer weiter beginnt die Auffahrt auf den 3.528 m hohen Zoji La Pass. Eine kleine Strecke sind wir den Pass noch hinauf gefahren - die Ausblicke haben mich unglaublich begeistert. Hier mußte ich unbedingt noch einmal herkommen - die gesamte Passüberfahrt machen oder besser gleich die gesamte Strecke von Srinagar überland bis nach Leh in Ladakh fahren.

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