Nach meinem Besuch in Kashmir 2007 war der Wunsch geweckt von hier aus überland nach Leh in Ladakh zu reisen. In Reiseführern und Reiseberichten wird die Strecke als überaus grandios beschrieben. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen , aber die wurden noch bei weitem übertroffen!

Da mich Srinagar und der Dal See schon bei meinem ersten Besuch sehr fasziniert hatte war es schön noch einmal hier zu sein - noch einmal auf einem Hausboote auf dem See zu logieren -  den frühmorgentlichen "schwimmenden Markt" zu besuchen und eine Bootsfahrt auf dem idyllischen Dal See zu machen. Allerdings habe ich mir nur einen einzigen Tag hier gegönnt, denn zu sehr lockten die neuen Landschaftseindrücke auf der Überlandstrecke in Richtung Ladakh.

Bis Sonamarg war ich im letzten Jahr noch gekommen, aber danach war eine lange Strecke "Neuland" für mich. Sehr gespannt war ich auf die Passüberfahrt über den Zoji La. Kurz hinter Sonamarg windet sich die Straße, die eigentlich an vielen Stellen nur eine bessere meist einspurig befahrbare Piste ist, in endlosen Serpentinen hinauf bis auf 3.528 m. Die Ausblicke während der Fahrt hinauf waren einmalig und lassen sich mit Worten kaum beschreiben. Gleiches gilt für die Fahrt auf der anderen Seite wieder hinunter...

In Kargil habr ich übernachtet - es war ein wirklich einfaches Hotel. Die Stadt hatte auch nicht allzuviel zu bieten. Trotzdem war es interessant durch die Gassen und über den Bazar zu schlendern. Die Menschen waren sehr freundlich und auch recht neugierig, denn viele westliche Touristen kommen nicht hierher. Sie freuten sich auch sehr über mein Interesse und so konnte ich einige wirklich schöne Fotos machen.

Einige Kilometer hinter Kargil ändern sich die Ausblicke schlagartig. Flatternde Gebetsfahnen, Chorten, Manimauern und Klöster lassen keinen Zweifel, dass wir soeben die kulturelle Grenze zwischen dem moslemischen Kashmir und dem buddhistische Ladakh überquert hatten. Die Landschaft war dadurch für mich noch beeindruckender geworden. Zwei weitere Pässe lagen auf meinem Weg und nun ging es auch schon ein wenig höher hinauf - über den Namika La (3.700 m) und den Fatu La (4.108 m). Nach dem Überquerung des Fatu La und ein gutes Stück Fahrt hinunter fiel der Blick schon von weitem auf das altehrwürdige Kloster Lamayuru.

Schon von weitem sprang mir dabei ein großes neues Gebäude neben dem Kloster in den Blick, das es bei meinem letzten Besuch noch nicht gegeben hatte. Zugegeben - es war einige Jahre her, dass ich Lamayuru besucht hatte - 1994!. Die Veränderungen waren beachtlich - rund um das Kloster selbst und im umliegenden gleichnamigen Dorf. Bei dem großen Gebäude handelte es sich um das neue Kloster-Gästehaus - ein dreistöckicker Bau, der im Vergleich zum Kloster ziemlich wuchtig war und es fast überragte. Da es aber schön im tibetisch-buddhistischen Stil erbaut war, fügte es sich harmonisch in das Gesamtbild der Klosteranlage ein. Hier stieg ich dann auch ab. Die Zimmer waren wirklich nett - allerdings gab es nur Etagenduschen und Gemeinschaftstoiletten und -waschräume. Im Vergleich zu unserer Unterkunft im damaligen Klostergästehaus war es jedoch der pure Luxus.

Es war ein tolles Gefühl wieder hier zu sein - zu sehen, wie sich die Region verändert hat und neues zu erkunden. Ganz gezielt hatte ich die Reiseroute ausgewählt, um einige schöne Orte von damals wiederzusehen und neue zu entdecken wie z.B. das Nubra-Tal. Hier ist wirklich der Weg das Ziel, denn die Fahrt über den höchsten befahrbaren Pass der Welt war einfach nur unglaublich...

Auch Leh hat sich sehr verändert! Aus dem kleinen verschlafenen Örtchen mit den staubigen engen Gassen ist ein beeindruckend oder auch erschreckend großer Ort geworden, den man kaum noch wiedererkennen konnte. Inzwischen kamen sehr viel mehr Touristen hierher - westliche wie auch indische. Die Anzahl der Geschäfte, Restaurants und Hotels war rasant gestiegen. Trotzdem mochte ich Leh immer noch sehr!

Seinerzeit war ich als Backpackerin hier gewesen. Sämtliche Überlandfahrten hatte ich mit öffentlichen Bussen gemacht. Dementsprechend hatte ich von der grandiosen Landschaft unterwegs nur wenig brauchbare Bilder machen können. Es war herrlich, jetzt mit einem eigenen Charter-Fahrzeug mit Fahrer unterwegs zu sein und anhalten zu können, wo immer ich wollte. Dadurch war natürlich auch mein "Aktions-Radius" rund um Leh erheblich größer. 

Ganz viele der Klöster im Indus-Tal hatte ich seinerzeit nicht besuchen können, da es oft von Leh aus einen ganzen Tag in Anspruch nahm hin- und wieder zurück zu gelangen. Jetzt mit dem eigenen Fahrzeug hatte ich Gelegenheit mir die ganze Umgebung intensiv anzuschauen, was ich sehr genossen habe!

Wie immer unterwegs ging die Zeit auch dieses Mal wieder viel zu schnell vorbei. Die drei Wochen waren wie im Flug vergangen und ich saß schon wieder im Flieger von Leh nach Delhi. Leider hatte ich keine Vorab-Platzreservierung gemacht und so bekam ich beim Einchecken leider nur noch einen Fensterplatz auf der "falschen" linken Seite. Die frühmorgendliche Sonne stand mir genau gegenüber und von den herrlichen Eisriesen des Himalaya auf einem der schönsten Flüge überhaupt, konnte ich leider kaum etwas sehen und noch weniger brauchbare Fotos machen.

Da gab es nur eins! Ich mußte noch einmal wiederkommen!
Natürlich nicht nur, um diesen Flug auf der "richtigen" rechten Seite im Flieger zu machen. Es gab noch einige Orte und Plätze, für die auch dieses Mal keine Zeit mehr geblieben war. Ich wollte unbedingt noch nach Zanskar, eine der abgelegendsten Regionen im nordindischen Himalaya überhaupt. Auch die Hochgebirgsseen Pagong Tso und Tso Moriri geisterten schon lange durch meine Sinne. Ganz besonders zum Pagong Tso wollte ich gerne, denn auf tibetischer Seite hatte ich ihn bereits 1998 besucht auf meiner Reise von Westnepal über Tibet nach Xinjiang in Westchina und weiter nach Pakistan.

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