All die Jahre hatte es immer wieder ein wenig an mir genagt, dass ich auf meiner ersten Tibet-Reise 1992 von Lhasa zum Kailash den Kailash nicht umwandern konnte. Seinerzeit hatte mich eine schwere Bronchitis davon abgehalten. Sechs Jahre später habe ich mich deshalb noch einmal aufgemacht in Richtung Kailash.

Dieses Mal wollte ich jedoch auf den alten Pilgerpfaden in Nepals fernem Westen von Simikot bis zur tibetischen Grenze wandern. Dadurch sollte ich schon recht gut akklimatisiert und vor allem ein wenig "eingelaufen" und damit besser auf die Kailash-Parikrama vorbereitet sein. Von Purang direkt hinter der Grenze auf tibetischer Seite ist es dann nur noch einen "Katzensprung" zum Heiligen Berg.

Aber der Kailash war nur eine der Höhepunkte dieser Reise, die uns von den Höhen des tibetischen Hochplateaus bis hinunter in die Taklamakan-Wüste in Westchina und von dort aus weiter über den Khunjerab Pass und den Karakorum Highway nach Islamabad in Pakistan führen sollte.

Kodachrome 200Anmerkung zu den Bildern von meiner Tibet-Reise 1998:
Seinerzeit hat an Digital-Fotografie noch niemand gedacht und ich war mit einer unglaublichen Menge Diafilmen unterwegs. Aber selbst das Einscannen der Dias mit dem hochwertigen Diascanner Nicon Coolscan 9000 bringt nicht annähernd die Qualität wie die heutigen Digitalbilder. Ich hoffe, dass Dir die Bilder trotzdem gefallen und Dir zumindest einen Eindruck von der Reise durch die abgelegendsten Regionen des Himalaya geben - von der grandiosen Landschaft, den interessanten Klöstern und Tempel und von Land und Leuten zu einer Zeit, als noch sehr viel weniger Touristen in Nepal und Tibet unterwegs waren.

All die Jahre hatte es immer wieder ein wenig an mir genagt, dass ich auf meiner ersten Tibet-Reise 1992 von Lhasa zum Kailash den Kailash nicht umwandern konnte. Seinerzeit hatte mich eine schwere Bronchitis davon abgehalten. Sechs Jahre später habe ich mich deshalb noch einmal aufgemacht in Richtung Kailash.

Dieses Mal wollte ich jedoch auf den alten Pilgerpfaden in Nepals fernem Westen von Simikot bis zur tibetischen Grenze wandern. Dadurch sollte ich schon recht gut akklimatisiert und vor allem ein wenig "eingelaufen" und damit besser auf die Kailash-Parikrama vorbereitet sein. Von Purang direkt hinter der Grenze auf tibetischer Seite ist es dann nur noch einen "Katzensprung" zum Heiligen Berg.

Aber der Kailash war nur eine der Höhepunkte dieser Reise, die uns von den Höhen des tibetischen Hochplateaus bis hinunter in die Taklamakan-Wüste in Westchina und von dort aus weiter über den Khunjerab Pass und den Karakorum Highway nach Islamabad in Pakistan führen sollte.

Kodachrome 200Anmerkung zu den Bildern von meiner Tibet-Reise 1998:
Seinerzeit hat an Digital-Fotografie noch niemand gedacht und ich war mit einer unglaublichen Menge Diafilmen unterwegs. Aber selbst das Einscannen der Dias mit dem hochwertigen Diascanner Nicon Coolscan 9000 bringt nicht annähernd die Qualität wie die heutigen Digitalbilder. Ich hoffe, dass Dir die Bilder trotzdem gefallen und Dir zumindest einen Eindruck von der Reise durch die abgelegendsten Regionen des Himalaya geben - von der grandiosen Landschaft, den interessanten Klöstern und Tempel und von Land und Leuten zu einer Zeit, als noch sehr viel weniger Touristen in Nepal und Tibet unterwegs waren.

Die Anreise mit Hindernissen nach Simikot in Westnepal...

...hat uns einiges abverlangt. Wir, das war eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten, die sich, ähnlich wie vor sechs Jahren bei meiner ersten Tibet-Reise 1992 - "Von Lhasa zum Kailash", zusammengefunden hatten, um dieses großartige Reiseabenteuer gemeinsam zu erleben.
Es war vergleichsweise schwierig, die optimale Reisezeit für die klimatisch sehr unterschiedlichen Regionen der Reise auszuwählen. Letztendlich hatten wir uns dann für den Reisebeginn Mitte Juli entschieden, denn seinerzeit war ganz besonders die Öffnung des Kunjerab Passes ein wichtiges Kriterium. Hier war das Zeitfenster relativ klein. Für Nepal bedeutete das allerdings, dass wir mitten in der Monsunzeit unterwegs waren. Die Temperaturen lagen deshalb um einiges höher als bei meinem letzten Besuchen und es regnete tagtäglich mit großer Regelmäßigkeit.

Simikot als Ausgangsort für das Trekking hinauf zur tibetischen Grenze ist am besten und schnellsten per Flug zu erreichen. Von Kathmandu geht es dabei zunächst nach Nepalganj im südlichen Tiefland und am Morgen des Folgetages weiter von Nepalganj hoch in die Mittelgebirge Westnepals. Da in Nepal außerhalb von Kathmandu ausschließlich auf Sicht geflogen wird sind die Flüge sehr witterungsabhängig. Außerdem spielen andere Begebenheiten eine große Rolle wie z.B. starke Winde, die oftmals gegen Mittag einsetzen. So kann z.B. nach Simikot nur am Morgen geflogen werden.

Schon der Flug von Kathmandu nach Nepalganj war in der kleinen Turboprob ziemlich abenteuerlich. Nach unserem Start in Kathmandu flogen wir in eine gewaltige Wolkenwand, die sich von Süden kommend vor uns auftürmte. Dabei war uns einigermaßen mulmig zumute. Der Pilot benötigte mehre Landeanflüge in Nepalganj, denn die Wolken schienen undurchdringlich und es gab kein noch so kleines Sichtfenster durch das er die Landebahn hätte verlässlich sehen können. Beim dritten Versuch klappte es dann, aber Ulrich, der Sportpilot war, beobachtete das Ganze mit zusammen gekniffenen Lippen aus seinem kleinen Fenster.

Da Nepalganj keinerlei touristische Rolle in Nepal spielte gab es nur sehr schlichte Unterkünfte, aber es sollte ja nur für eine Nacht sein...

Das Wetter hier unten im nepalesischen Tiefland war extrem wechselhaft. Sintflutartige Regenfälle, die den Innenhof unseres kleinen Hotels nahezu unter Wasser setzten, wechselte mit strahlendem Sonnenschein. Dann übernahmen jedoch Regen und Wolken während der nächsten beiden Tage die Regie und an einen frühmorgentlichen Flug nach Simikot war nicht zu denken. Entweder regnete es in Nepalganj "cats and dogs" oder aber hier schien die Sonne und die Wolken ergossen sich über Simikot. So verbrachten wir drei Tage hintereinander vom frühen Morgen gegen sechs Uhr bis jeweils elf Uhr am Flughafen, um jedes Mal wieder niedergeschlagen und frustriert in unser Hotel zurückzukehren.

Schon gestern hatte es geheißen, dass die Landebahn von Simikot von dem vielen Regen so aufgeweicht war, das momentan an eine Landung kaum zu denken sei - es müsse jetzt mindestens einen ganzen Tag lang die Sonne scheinen, damit sie wieder soweit trocknen könne, um einem Flugzeug einen griffigen Boden für die Landung zu bieten.

Gottseidank hatte Sonam, der Bekannte, der mir schon viele Touren in Nepal organisiert hatte, inzwischen einen Plan B. Wenn es auch heute am dritten Tag mit dem Flug nicht klappen würde, dann hatte er uns Jeeps organisiert, mit denen wir nach Surkhet fahren würden. Unsere Hoffnung auf einen regulären Flug war inzwischen gen Null gesunken und so kam es dann auch. Gegen 12 Uhr standen zwei denkbar einfache Jeeps vor dem Flughafen. Wir verluden unser Gepäck und dann ging es los.

Die beiden Vehikel waren mindestens so schlicht wie unser Hotel, schienen aber um einiges älter. So kamen wir nur langsam voran. Bei so mancher Steigung waren wir kurz davor auszusteigen, um die beiden anzuschieben. Zwischendurch brauchten sie immer wieder eine "Verschnaufpause" oder besser gesagt eine Abkühlphase für den total überhitzten Motor. Unsere Fahrt führte entlang des Bardia Nationalparkes durch unendlich weitläufige und einsame Landstriche. Für die schöne Landschaft, durch die wir fuhren, hatten wir kaum einen Blick. Wir hofften nur inständig, dass die beiden betagten Jeeps wenigstens bis Surkhet ihren Dienst tun und durchhalten würden.

Von dort sollte ein Transport-Helikopter entweder noch am gleichen Abend oder am kommenden Morgen mit einer Warenlieferung nach Simikot fliegen. Gegen eine bescheidene Kostenbeteiligung von 100 Dollar würde der Pilot uns mitnehmen. Er hatte freundlicherweise auf uns gewartet, aber um heute noch zu fiegen war es schon zu spät. So übernachteten wir in Surkhet in einem der extrem einfachen Gästehäuser. Uns fiel ein Stein vom Herzen als wir tatsächlich am Morgen des vierten Tages endlich in diesem Helikopter saßen und gen Simikot flogen.

Als wir nach einer knappen Stunde Flug aus dem Helikopter stiegen schien sich schon das halbe Dorf versammelt zu haben. Ein Helikopter landete nicht alle Tage in Simikot und westliche Touristen kamen seinerzeit auch noch nicht sehr oft hierher. Roshan kam uns schon entgegengelaufen als wir aus dem Helikopter kletterten. Ich hatte mich riesig darauf gefreut ihn wiederzusehen und wieder mit ihm als Trekkingführer unterwegs zu sein. Er hatte mich schon auf meinen Touren nach Mustang 1993 und 1997 begleitet und war mir ein wirklich lieber Freund geworden.

Die gesamte Trekking-Begleitmannschaft stand schon in den Startlöchern. Die Camp-Ausrüstung lag schon bereit, um auf die Tragtiere verladen zu werden. Der Koch hatte nur noch ein kräftiges Frühstück für uns vorbereitet und noch während wir aßen wurde das Gepäck schon verladen und dann ging es sofort los. Obwohl wir erst kurz vor Mittag aufbrechen konnten, wollten wir versuchen die gesamte für heute geplante Trekkingetappe zu schaffen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Die drei Tage, die wir in Nepalganj verloren hatten, mussten wir irgendwie wieder einsparen, damit wir pünktlich am Sonntag in Kashgar sein konnten, um den legendären Sonntagsmarkt zu besuchen.

Einen Reservetag hatten wir in Tibet eingeplant und einen bis zwei Trekkingtage würden wir versuchen einzusparen, indem wir drei der sechs Tagesetappen jeweils zu zweien zusammenfassen würden. Es galt also keine Zeit zu verlieren und so machten wir uns sofort auf den Weg. Aus der eigentlich recht gemütlichen Trekkingtour wurde dadurch eine ziemlich anspruchsvolle Tour mit sehr viel längeren Gehzeigen jeden Tag, aber irgendwie haben wir das hinbekommen und tatsächlich die zwei Tage eingespart.

Die Wanderung von Simikot zur tibetischen Grenze

Der Trekkingpfad war gleichzeitig auch der einzige Verbindungspfad zwischen den weit auseinander liegenden Dörfern und führte teilweise entlang des Karnali-Flusses, der in der Kailash-Region entsprang. Es ging flussaufwärts - manchmal unmittelbar am Flussufer - manchmal hoch oben entlang der Berghänge durch eine schöne Landschaft.

Selbst in dieser weltabgeschiedenen Region passierten wir immer wieder kleine Dörfer.

Da unsere Tagesetappen sehr viel länger als ursprünglich geplant waren, kamen wir meistens recht spät an unserem Übernachtungsort an. Meistens waren die Tragtiere mit ihren Pony-Hirten sehr viel schneller unterwegs als wir. Oft war das Zeltcamp schon aufgebaut und Kaffee, Tee und Kekse standen schon für uns bereit. Welch ein Segen auf einer solchen Tour ein so tolles Team als Begleiter zu haben.

Mit jedem Tag, den wir der tibetischen Grenze näherkamen, wurde das Wetter besser. Schritt für Schritt ließen wir die regelmäßigen Monsunregen des Tieflandes und der Südhänge des Himalaya hinter uns. Dementsprechend wandelte sich auch die Vegetation. Rund um Simikot und während der ersten beiden Trekkingtage war es überall noch sattgrün gewesen. Jetzt wurde die Landschaft schon ein wenig trockener und erinnerte schon ein wenig an Tibet.

Was für ein tolles Gefühl auf dem fast 4.600 m hohen Nara La Pass zu stehen und einen ersten Blick bis weit hinein nach Tibet zu genießen. Von dort aus mussten wir nur noch zu dem kleinen Militärstützpunkt in Hilsa absteigen und morgen würden wir dann über der großen Hängebrücke ein letztes Mal den Karnali-Fluß überqueren und tibetischen Boden betreten.

Tibet wir kommen!

Die Jeeps, ein Begleittruck und unser zusätzlicher Guide für Tibet warteten schon auf uns. Wir verabschiedeten uns von einem Teil unserer Trekkingmannschaft, die von hier aus mit ihren Tragtieren nach Simikot zurückkehren würde. Nur Roshan und Tsetan, der Koch, würden uns mit dem notwendigsten Teil der Campausrüstung nach Tibet begleiten, denn die Zelte würden wir noch eine ganze Weile brauchen.

Die Einreiseformalitäten in Purang erforderten noch einmal einiges an Nerven! Wie es schien wollten uns die chinesischen Grenzbeamten heute nicht mehr weiterreisen lassen. Es gab endlose Diskussionen. Offensichtlich wurde dafür noch die Zustimmung des Vorgesetzten benötigt. Der war aber gerade nicht da. und so lief Roshan mit einem der Grenzbeamten durch den Ort um ihn zu suchen. Schließlich ward er gefunden und irgendwie gelang es Roshan, die Grenzer mitsamt dem Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass wir heute unbedingt noch weiter mussten. Irgendwann nickten die dann nur noch entnervt - waren wahrscheinlich froh, dass sie uns endlich los waren und wieder ihrem gemütlichen Tages-"Geschäft" nachgehen konnten. So schnell wie möglich machten wir uns von dannen bevor es sich noch jemand anders überlegen würde.

Endlich geschafft - am heiligen Manasarowar See

Mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne näherten wir uns dem Manasarowar See. Als wir unseren Lagerplatz am Seeufer erreichten war es bereits stockfinster. Die Zelte bauten wir im Scheinwerferlicht unseres "Tunfun" auf. So wurde diese Art Transport-Trucks in China genannt. Dann sanken wir ziemlich erschöpft in unsere Schlafsäcke. Tsetan hatte uns noch eine kleine Gemüsesuppe gekocht - mehr mochten wir nach diesem aufregenden Tag nicht mehr.

Kaum dass es am nächsten Morgen hell wurde hielt es uns nicht mehr in unseren Schlafsäcken. Was für eine traumhafte Landschaft uns hier umgab! Im Süden erhob sich der fast 7.000 m hohe Eisriese Gurla Mandata über dem See - im Norden in der Ferne strahlte der heilige Kailash im Licht der aufgehenden Sonne - und wir mit unserem Zeltlager ganz nah am Ufer des heiligen Manasarowar Sees am Fuße der Chiu Gompa, die hoch über uns auf einem Hügel thronte. Wir konnten uns kaum satt sehen und genossen einen gemütlichen Morgen am See.

Es war ein tolles Gefühl nach sechs Jahren noch einmal hier zu sein. Auch hier auf dem tibetischen Hochplateau schien es in den letzten Wochen immer mal wieder geregnet zu haben, denn auf der wüstenhaften Hochebene zwischen dem Manasarowar See und dem Kailash tauchte ein Grasflaum die Landschaft in ein zartes Grün.

Erst am frühen Nachmittag fuhren wir die letzten 40 km in Richtung Darchen, dem Ausgangsort der Kailash-Umwanderung.

Darchen am Fuß des Kailash

Es war unfassbar, wie sich der Ort in den letzten sechs Jahren verändert hatte. Es gab inzwischen sehr viel mehr feste Häuser und es schien ein regelrechter Bau-Boom eingesetzt zu haben. Am schlimmsten aber war der Müll überall - u.a. Tausende von Glasflaschen, die überall herum lagen oder zu Pyramiden aufgetürmt waren. Was für eine unsägliche Entweihung am Fuß eines Berges, der für viele Millionen Menschen verschiedener Weltreligionen der heiligste Berg der Welt ist.

Am Abend fühlte ich mich mit einem mal ziemlich schlecht. Roshan kam gleich mit einem Fieberthermometer daher und das zeigte - ich konnte es kaum fassen - 39,5. Es war mir unerklärlich, wo das jetzt auf einmal herkommen sollte. Ich war nicht erkältet und hatte auch sonst keinerlei Symptome. Waren vielleicht die letzten Tage einfach ein bißchen zu aufregend und anstrengend gewesen? Roshan war besorgt - meinte ich solle mich doch besser gleich mal hinlegen - kam jede Stunde zum Zelt, um nach mir zu sehen - brachte Süppchen und viele tröstende Worte. Am Morgen war das Fieber etwas runter - nur noch 38,8. Was tun? Heute zur Umwanderung des Kailash aufbrechen und morgen auf den 5.700 m hohen Dolma La Pass aufsteigen? Das habe ich mich nicht getraut, denn wer weiß, was ich da gerade "ausbrütete".

Früh am Morgen wurden alle Vorbereitungen getroffen für den Aufbruch der Reisekameraden zu Ihrer Kailash-Umwanderung - zum zweiten Mal ohne mich. Ulrich wolte ebenfalls zurückbleiben, denn auch er fühlte sich nicht gut. Matthias, der arge Knieprobleme hatte, traute sich die langen und steilen Auf- und Abstiege nicht zu und entschloss sich die Umwanderung auch nicht mitzumachen. So wurde erst einmal ein Teil der Campausrüstung auf die Yaks verteilt, die mit Ihren tibetischen Yak-Hirten schon früh eingetroffen waren.

Da wir Zurückgebliebenen nicht im trostlosen Darchen zurückbleiben wollten fuhren wir etwa 40 km zu den heißen Quellen nach Thirthapuri, wo wir die Zeit wenigstens in sehr viel schönerer Umgebung zubringen konnten bis die Wanderer nachkommen würden.

Die heißen Quellen von Thirtapuri

Thirtapuri gehört neben den beiden heiligen Seen Rakastal und Manasarowar und dem Kailash mit zu den wichtigsten Pilgerorten in Westtibet. Die heißen Quellen standen in dem Ruf viele Krankheiten zu heilen und eine reinigende Wirkung auf Körper und Seele zu haben. Deshalb gehört dieser Ort für die meisten Pilger zu ihrer Pilgerreise zum Kailash mit dazu.

Sogar ein kleines einfaches Kloster gibt es ganz in der Nähe, das von einigen wenigen Mönchen bewohnt wird.

Auf ihren täglichen Pilgergängen um das Kloster und die heißen Quellen machten zwei der Mönche gerne bei uns Rast und staunten jedes Mal aufs Neue, dass wir immer noch da waren. Selten blieben Reisende oder Pilger drei Tage hier.

Inzwischen hatte ich ein Bild vom Dalai Lama aus den Tiefen meines Gepäcks gekramt und schenkte es Ihnen. Es hat mich tief berührt wie sehr sie sich freuten und in tiefer Demut das Bild reihum über ihren Kopf hielten und sich gleichzeitig dabei verneigten. Dann nestelte einer von ihnen in seiner Gewandtasche und reichte mir einen wunderschönen orangefarbenen Stein, der wohl irgendwann einmal an einer Halskette getragen worden war. Ich traute mich kaum das Geschenk anzunehmen, aber er duldete keinen Widerspruch und machte mir mit Gesten deutlich, dass das Bild des Dalai Lama für ihn einen viel höheren Wert hatte.

Am Nachmittag erhielten wir neue Nachbarn. Eine tibetische Pilgergruppe war mit ihrem gecharterten Truck angekommen. Flugs waren die Zelte aufgebaut und dann machten wir uns erst einmal miteinander bekannt.

Tsaparang und das alte Königreich Guge

Obwohl ich auf meiner ersten Tibet-Reise 1992 schon einmal dort war, wollte ich Tsaparang unbedingt noch einmal besuchen. Ganz im Westen von Tibet liegt es kurz vor der indischen Grenze. Zu sehr hatte mich die gewaltige Erosions-Landschaft, die so sehr an den Grand Canyon erinnert und die Lage des alten Königreich Guge beeindruckt.

Hoch oben über dem Sutlej-Fluss liegen die Ruinen des alten Königreiches kunstvoll in einer gewaltigen Sandsteinklippe. Von hier oben ist der Ausblick unbeschreiblich. Sollte ich noch ein weiteres Mal zum Kailash reisen, um die Umwanderung zu versuchen, dann würde ich diesen mystischen Ort auch ein drittes Mal besuchen.

Wie beim ersten Mal waren die Ausblicke auf der Fahrt ein Genuss - die endlose Weite - Wolken, die zum Greifen nah über dem tibetischen Hochplateau dahinziehen und Farben, wie sie ein Maler sich nicht schöner hätte ausdenkenken können.

Über die bizarren Sandsteinformation der wilden Erosions-Landschaft erheben sich dahinter Im Süden die Eisriesen des indischen Hoch-Himalaya, gekrönt vom zweithöchsten indischen Berg, dem 7.816 m hohen Nanda Devi. Jede Kurve bietet neue berauschende Ausblicke. Am liebsten hätte ich an jeder "Ecke" angehalten, um noch einmal das ultimative Landschaftsfoto zu machen.

Das viel zu tiefe Wasser des Indus

Während wir mit unseren Jeeps und dem Truck auf dem Weg nach Tsaparang mit tiefen Sandpisten zu kämpfen hatten machte uns auf dem Weg von Tsaparang zurück zur Hauptroute das Wasser zu schaffen. Die Flüsse, die in den Wintermonaten nur wenig Wasser führen, schwellen im Sommer durch die Schnee- und Gletscherschmelze oft um ein Vielfaches an. Am Ufer des Indus angekommen, an der Stelle an der der Fluss üblicherweise durchfahren wird, schauten unsere Fahrer kritisch bis besorgt.

Sie baten uns alle wichtigen Dinge auf den Schoß zu nehmen und dann fuhr unser Fahrer mutig voran. Da wurde es uns ganz schnell ganz anders zumute, denn mit jedem Meter ging es tiefer hinein ins Wasser. An einigen Stellen schienen wir den Boden unter den Reifen zu verlieren. Das Wasser drang einige Zentimeter hoch in den Fahrgastraum und einige Male wurde sogar die Motorhaube kurz überspült. Aber irgendwie hat er das hinbekommen und manövrierte unser Fahrzeug durch die Fluten. Auch der zweite Jeep schaffte es mit einigen Mühen und gelangte schließlich wassertriefend ans andere Ufer.

Um Tunfun, unseren Truck, hatten wir uns eigentlich am wenigsten Sorgen gemacht...aber den hat es dann "erwischt". Mitten im Fluss hat er sich festgefahren und es ging weder vorwärts noch rückwärts. Mit unseren beiden Landcruisern hatten wir keine Chance den Truck herauszuziehen. Es blieb uns also nichts anderes übrig als zu warten bis ein anderer Truck des Weges kommen würde. Gottseidank dauerte es nicht allzu lange und mit vereinten Kräften gelangte auch Tunfun zu uns herüber

Ali, auch Shinqanhe oder Ngar

In Ali, einer völlig deplazierten Stadt irgendwo im Nirgendwo in der unendlichen Weite des tibetischen Hochplateaus, mussten wir im Hotel übernachten. Das war Vorschrift für alle Reisende und daran führte leider auch kein Weg vorbei. Das Hotel konnte man getrost vergessen und die Stadt gleich dazu. Wie überall protzten die Chinesen mit einigen futuristisch anmutenden Glas- und vermeintlichen Prachtbauten, die ihre "Pracht" allerdings schon vor Jahrzehnten verloren zu haben schienen. Ansonsten hatte die Stadt nichts zu bieten. Die Fahrer nutzten die Gelegenheit, die Landcruiser noch einmal durchzuchecken und aufzutanken und neue Benzinfässer als Vorrat aufzuladen. So früh wie möglich verließen wir am nächsten Morgen diesen trostlosen Ort in Richtung Nordwesten.

Vom tibetischen Hochplateau zur Wüste Taklamakann in Westchina

Wir erreichten den Aksai Chin, jenen Teil der ehemals indischen Hochebene, die früher zu Ladakh gehörte. Irgendwann haben die Chinesen diesen nahezu unbewohnten Landstrich in den 50iger Jahren in einer kurzen militärischen Aktion, mit der sie die Inder einigermaßen überrumpelt haben, unter ihre Kontrolle gebracht und dabei ist es bis heute geblieben.

Unser Ziel war der Pagong Tso, der gewaltige Hochgebirgssee, dessen Westufer im indischen Ladakh liegt. Der weitaus größte Tell gehört jedoch jetzt zu Tibet. Wir errichteten unser Zeltcamp direkt an seinem Ostufer und genossen die herrliche Landschaft. Lange habe ich sehnsüchtig hinübergeschaut und mir vorgestellt, wie es wohl auf der indischen Seite aussehen würde. Da musste ich unbedingt einmal hin. Damals hätte ich nicht gedacht, dass es fast 20 Jahre dauern würde bis ich mir diesen Traum endlich erfüllt habe mit meiner Indien-Reise 2016 - "Kashmir, Zanskar & Ladakh". Schließlich versank die Sonne blutrot im See und wir krabbelten schnell in unsere Schlafsäcke.

Die nächste Tagesetappe versetzten uns in Staunen. Stundenlang fuhren wir über eine Hochebene und unsere Höhenmesser zeigten nur noch Werte zwischen 4.800 und 5.100 m an. Dabei stellte ich mir vor, dass wir auf der Höhe des Mont Blanc unterwegs waren, was das Ganze noch unglaublicher machte.

Nach unserem herrlichen Camp am Pagong Tso gestern mussten wir heute unsere Zelte an einem ziemlich trostlosen Ort aufschlagen. Die chinesischen Beamten des Checkposts in Dahongluitan erlaubten uns das Weiterfahren am späten Nachmittag nicht. Wir sollten auf keinen Fall in der freien Landschaft übernachten - das sei viel zu gefährlich. Hier in der Obhut der Beamten sei es viel sicherer...Wenigstens trafen wir auch auf einige Tibeter auf dem improvisierten Basar.

Unser letzter Tag auf dem tibetischen Hochplateau war angebrochen. Bis zum Nachmittag fuhren wir wie schon am Vortag durch die unendliche Weite der Hochebene. Am Nachmittag fing es dann an abwärts zu gehen - erst langsam und dann immer schneller. In zahllosen Serpentinen windete sich die Straßenpiste bergab. Unser Lager schlugen wir bei tief stehender Sonne auf 3.600 m in der Nähe von Mazar auf - direkt neben der Straße. Verkehr würde uns hier am Abend und während der Nacht nicht stören, denn kein Fahrer fährt freiwillig auf einer so abenteuerlichen Strecke in der Dunkelheit.

Die antike Seidenstraße und die Taklamakan

Der nächste Tag begann wie der gestrige aufgehört hatte – es ging immer weiter bergab mit uns durch eine wilde Bergwelt. Von weitem tat sich ein erster Ausblick über die südlichen Ausläufer der Wüste Taklamakan auf.

Welch ein Kontrast! Nicht nur landschaftlich sondern auch kulturell. Wir waren im Land der endlosen Wüste und der Uiguren angekommen. Statt Chorten und Gebetsfahnen grüßten die ersten Minarette und Moscheen. 

Einen ersten Halt legten wir in Yarkand ein. Die Zeit des Abschieds war gekommen. Unsere nepalesisch-tibetische Begleitmannschaft würde von hier aus mitsamt den Fahrzeugen nach Tibet zurückkehren. Der Abschied von Roshan fiel mir besonders schwer. Dreimal war ich jetzt schon mit ihm unterwegs gewesen und er war mir inzwischen zu einem wirklich guten Freund geworden. Hier wurden wir dann auch von unserem neuen Führer und einem Minibus abgeholt. Wie schön, dass unser neuer Führer Uigure war. Yussuf war sehr bemüht, uns seine Kultur näherzubringen und freute sich über unser Interesse, denn bei jeder Gelegenheit fragten wir ihm „Löcher in den Bauch“.

Unser heutiges Ziel war Kashgar, die „Drehscheibe an der antiken Seidenstraße. Hier trafen die verschiedenen Routen der antiken Seidenstraße aus allen Himmelsrichtungen zusammen. Wir freuten uns riesig, dass es nach den anfänglichen witterungsbedingten Schwierigkeiten doch noch gelungen war rechtzeitig zum morgigen Sonntagsmarkt hier einzutreffen. Schon heute herrschte lebhaftes Treiben auf den Straßen. Viele der einheimischen Marktbesucher aus den umliegenden Dörfern kamen schon heute an mit ihren urigen Eselskarren an.

Einen Tag hatten wir in Kashgar eingeplant. Am Morgen schlenderten wir durch die Straßen zum Sonntagsmarkt. Wo immer wir jedoch lang gingen - ganz Kashgar schien heute ein einziger großer Basar zu sein.

Wir fühlten uns fast wie in einer Zeitmaschine.

Noch viel uriger ging es auf dem Viehmarkt zu, der etwas außerhalb von Kashgar abgehalten wurde. Ein wogendes Meer aus Menschen und Tieren umgab uns. Überall wurde unter den neugierigen Blicken der einheimischen Zuschauer geschachert und verhandelt über alles was zwei oder vier Beine hatte.

Gegen Mittag lichtete sich der Markt langsam und die Einheimischen machten sich auf den Heimweg in ihre Dörfer. Den Nachmittag nutzen wir, um das Grabmal der "Duftenden Konkubine" und das von Abakh Khoja, einer örtlichen Herrscherfamilie aus dem 17. Jahrhundert, zu besuchen. 

Schließlich ließen wir uns durch die engen Gassen der Altstadt treiben. Vom Viertel der Hufschmiede gelangten wir in das Viertel der Hersteller für Dimsum Dampfgarer. Weiter ging es zu den Töpfern, den Barbieren und den Schneidern. Die verschiedenen Handwerksberufe waren schon seit Urzeiten alle miteinander im gleichen Viertel. – in der derselben Straße zu finden. All die urigen Gassen wurden überragt von der stolzen Id-Kah Moschee, die die größte und schönste in ganz China sein soll, erzählt uns Yussuf voller Stolz.

In Richtung Süden und dann immer gerade aus!

Im Uiguren-Land im westlichen China hatten wir leider nur wenig Zeit einplanen können, obwohl es noch so viel zu erkunden gab. Insgesamt dauerte die Reise schon sechs Wochen und mehr war einfach nicht möglich gewesen. Gerne wollte ich irgendwann noch einmal herkommen und Kashgar und die Region in und um die Taklamakan etwas intensiver erkunden (…bis heute habe ich das leider noch nicht in Tat umsetzen können…). Ganz nach unserem Reiseplan wendeten wir uns nun in Richtung Süden. Pakistan und der Karakorum Highway warteten auf uns.

Hatten wir uns gestern noch über die sanfte Fahrt auf einer asphaltierten Straße gefreut, so wurden wir heute umso mehr durchgerüttelt. Die Strecke von Kashgar nach Pakistan sollte als Handelsroute neu belebt und deshalb asphaltiert werden. Anstatt Bauabschnitt für Bauabschnitt fertigzustellen hatten die Chinesen auf der gesamten Strecke gleichzeitig mit den Bauarbeiten begonnen. Es war eine wirklich schreckliche Fahrt. Dagegen waren die Pisten in Tibet fast gemütlich gewesen…

Für die 200 km zum Karakol See am Fuß des über 7.000 m hoch aufragenden Eisriesen Mustagh Ata benötigten wir fast den ganzen Tag. Die Ausblicke auf die Landschaft entschädigten allerdings für diese unsägliche Fahrt. Wir fuhren geradewegs auf die schneebedeckten Eisriesen des Karakorums zu und konnten uns kaum satt sehen.

Erst am späten Nachmittag erreichten wir das Gästehaus und das Yurtencamp am Ufer des Sees, der schon wieder auf einer Höhe von 3.500 m liegt. Die Yurten waren richtig gut ausgestattet mit einem gemütlichen Holzboden und dicken Matrazen. Mit unseren Schlafsäcken darauf hatten wir eine komfortable Schlafstatt - und das in einer solch grandiosen Umgebung. Der Blick von hier aus über den See und die direkt hinter dem See aufragende Mustang Ata waren unbeschreiblich. Mit einem unglaublich farbenprächtigen Sonnenuntergang verabschiedete sich der Tag von uns.

Pakistan und der Karakorum Highway

Schon früh am Morgen sind wir aufgebrochen. Es lag ein langer und anstrengender Fahrtag vor uns und so wollten wir möglichst mit Öffnung des chinesischen Grenzpostens in Tashkorgan ankommen. Die Ausreiseformalitäten gingen einigermaßen schnell und unbürokratisch vonstatten und so waren wir recht schnell im Niemandsland zwischen China und Pakistan unterwegs. Hinter Tashkorgan windet sich die Straße hinauf auf den Kunjerab Pass, der mit knapp 5.000 m einer der höchsten befahrbaren Pässe der Welt ist.

Der Pass selbst ist allerdings einigermaßen unspektakulär und bietet leider auch keine richtig schönen Ausblicke auf die umliegende Bergwelt. Die Einreise nach Pakistan erfolgte in einem kleinen Grenzhäuschen ganz in der Nähe der Passhöhe und ging ziemlich schnell vonstatten. Unser uigurischer Führer und das Fahrzeug brachten uns noch bis nach Sost, Hier wartete unser pakistanischer Führer und drei urige kleine Willis-Jeeps auf uns.

Wenn ich vielleicht ein wenig befürchtet hatte, dass uns Pakistan und der Karakorum Highway gegen Ende dieser großartigen Reise vielleicht nicht mehr so richtig begeistern könnte, hatte ich mich gründlich geirrt. Begeistertes Staunen erfasste uns bei den Panorama-Ausblicken über das Indus-Tal und die schroffen Eisriesen des Karakorums. Die Landschaft war wiederum eine ganz andere, aber sie stand Tibet und Nepal an Grandiosität in nichts nach. Unsere Reise-Etappe durch Pakistan auf dem Karakorum Highway war noch einmal ein absoluter Höhepunkt auf dieser Reise, die uns tagtäglich von Höhepunkt zu Höhepunkt geführt hatte.

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