Indien18 Odisha Stammesvolk Bondas P1370501 800x450Frauen des Bonda-VolkesSelten bin ich in Indien so häufig erstaunt und neugierig angeschaut worden wie in Odisha und in Chhattisgarh. Westliche Touristen sind hier bisher kaum unterwegs. Die natürliche Unbefangenheit und Ursprünglichkeit hat mich von Anfang an begeistert. Allein in der idyllischen Hügellandschaft der Eastern Ghats in Odisha siedeln über 60 verschiedene Bergvölker-Stämme.

Noch heute sind die Menschen hier sehr viel fester verwurzelt in ihren althergebrachten Traditionen als in den meisten anderen Regionen Indiens. Das Tragen von traditionellen Trachten ist in manchen Regionen noch eher die Regel als die Ausnahme. Zusammen mit meiner Freundin reise ich von Bhubaneshwar, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Odisha (früher Orissa) auf 1.400 km in drei Wochen bis nach Raipur in Chhattisgarh, wo auch noch viele Stammesvölker ihre Heimat haben.

Indien18 Odisha Stammesvolk Bondas P1370501 800x450Frauen des Bonda-VolkesSelten bin ich in Indien so häufig erstaunt und neugierig angeschaut worden wie in Odisha und in Chhattisgarh. Westliche Touristen sind hier bisher kaum unterwegs. Die natürliche Unbefangenheit und Ursprünglichkeit hat mich von Anfang an begeistert. Allein in der idyllischen Hügellandschaft der Eastern Ghats in Odisha siedeln über 60 verschiedene Bergvölker-Stämme.

Noch heute sind die Menschen hier sehr viel fester verwurzelt in ihren althergebrachten Traditionen als in den meisten anderen Regionen Indiens. Das Tragen von traditionellen Trachten ist in manchen Regionen noch eher die Regel als die Ausnahme. Zusammen mit meiner Freundin reise ich von Bhubaneshwar, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Odisha (früher Orissa) auf 1.400 km in drei Wochen bis nach Raipur in Chhattisgarh, wo auch noch viele Stammesvölker ihre Heimat haben.

Anreise nach Bhubaneshwar in Odisha

Die beste Möglichkeit von Deutschland nach Odisha  oder Chhattisgarh zu gelangen bietet Air India. Von Frankfurt aus gibt es einen täglichen Flug am Abend mit Air India nach Delhi. Zwei tägliche Anschlussflüge ebenfalls mit Air India gehen vom Drehkreuz Delhi nach Bhubaneshwar, der Hauptstadt des Bundesstaates Odisha oder auch nach Raipur, der Hauptstadt von Chhattisgarh. Leider ist der direkte Anschlussflug nach Raipur jedoch nach der Ankunft in Delhi nicht mehr erreichbar. Deshalb ist es die beste Lösung nach Bhubaneshwar weiterzufliegen.

Ende Januar! Dieses Mal bin ich mit meiner liebsten Freundin unterwegs in Richtung Asien. Mit Air India fliegen wir der Nacht entgegen. Die Umsteigezeit von 1 Stunde und 20 Minuten am Flughafen in Delhi bis zum Weiterflug nach Bhubaneshwar ist ambitioniert, aber wenigstens machbar.

Die Einreiseformalitäten müssen auch bei direkten Anschlussflügen in den meisten Fällen in Delhi vorgenommen werden. Neben der Visa-Kontrolle, die wir ziemlich flott hinter uns bringen muss allerdings auch das Gepäck noch durch den Zoll. Also im Eilschritt zum Gepäckband. Endloses Warten! Ungeduldig treten wir von einem Fuß auf den anderen. Mehr und mehr leert sich das Gepäckband - nur unseres ist immer noch nicht angekommen. Wir fragen nach. Offensichtlich ist das Gepäck versehentlich direkt zur Maschine für den Weiterflug geleitet worden und muss dort erst mühsam wieder herausgefischt werden...unmöglich unseren Anschlussflug noch zu erreichen.

Also werden wir von Air India umgebucht auf die nächste Maschine. Das bedeutet warten, warten und noch mal warten - von halb elf am Morgen bis sieben Uhr am Abend. Gottseidank habe ich noch einen Fundus an indischen Rupien vom letzten Besuch bei mir, so dass wir uns erst mal ein leckeres indisches Essen gönnen.

Endlich im Hotel in Bhubaneshwar! Inzwischen ist es zehn Uhr am Abend und wir fallen totmüde in unsere Betten.

Bhubaneshwar - die Stadt der Tempel in Odisha

Bhubaneshwar ist auf der touristischen Landkarte Indiens kaum vertreten. Selbst passionierten Indien-Reisenden ist die äußerst lohnenswerte "Stadt der Tempel" kaum bekannt. Im 3. Jhd. v. Chr. wurde die Stadt als Hauptstadt des Königreiches Kalinga gegründet und entwickelte sich zu einem Zentrum des Shiva-Kultes. So entstanden zwischen dem 8. und 15. Jhd. über 7.000 Tempel, von denen bis heute noch mehr als 400 erhalten sind.

Schon ganz früh am Morgen sind wir wieder auf den Beinen. Da wir schon am Nachmittag zum Chandrabagha Beach am Golf von Bengalen fahren haben wir leider nur wenig Zeit für Bhubaneshwar. Einige der schönsten und bedeutendsten Tempel wollen wir uns zusammen mit Srikant, unserem Guide und gleichzeitig Mitinhaber der indischen Reiseagentur, anschauen. Er wartet schon der Lobby unseres Hotels auf uns. Draußen steht Prashan mit seinem Wagen bereit, der auf der gesamten Reise mit uns als Fahrer unterwegs sein wird.

Es ist Sonntag und gottseidank nur wenig Verkehr in der Stadt. So kommen wir zügig voran. Bhubaneshwar gehört mit gerade einmal 850.000 Einwohnern eher zu den kleineren Hauptstädten und hat auf mich schon fast einen beschaulichen Eindruck gemacht. Etwas außerhalb besuchen wir die reich mit Reliefs verzierten Höhlen in den Khandagiri- und Udayagiri-Hügeln. Schon im 2. Jhd v. Chr. dienten die Höhlen, die über mehrere Stockwerke angelegt sind, Jain-Mönchen als Unterkunft und Meditationsplatz.

Unser nächstes Ziel ist das etwa sechs Kilometer außerhalb von Bhubaneshwar gelegene Dorf Hirapur und der Chausath Yogini Tempel. Der kleine runde äußerlich schlichte Tempel hat gerade mal einen Durchmesser von zehn Metern und ist nach oben offen. Die Innenwände sind jedoch rundherum mit 60 prächtigen weiblichen Götterfiguren (Yoginis) geschmückt.

Unsere "Tempel-Ralley" geht weiter - wieder zurück in die Innenstadt und zum großen Tempelbezirk.

Es ist geradezu eine Idylle rund um die drei großen Seen mitten im Stadtgebiet. Einige der schönsten Tempel der Stadt sind hier und sogar zu Fuß erreichbar. Die meisten sind dem Hindu-Gott Shiva geweiht. Der Legende nach war Bhubaneshwar einer seiner Lieblingsplätze, was der Stadt ihren Namen beschert hat. Shiva heißt nämlich auf Sanskrit "Tribhubaneshwar", was soviel bedeutet wie "Herr der drei Welten".

Der Lingaraja-Tempel aus dem 11. Jhd. ist unter den alten und bedeutenden der einzige heute noch aktive Tempel. Bis zu 6.000 Besucher pilgern täglich hierher, um Gott Shiva zu ehren und zu beten. Der Tempelturm ist 55 m hoch und von 150 kleineren Schreinen umgeben. Leider dürfen Nicht-Hindus den Tempelbezirk nicht betreten. Aber es gibt eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Blick über die Tempelanlage hat.

Der Turm des Rajararani Tempel aus dem 11. Jhd. ist über und über mit Steinreliefs und Skulpuren geschmückt. Die gehören mit zu den schönsten in Bhubaneshwar. Umgeben von einer kleinen Parkanlage ist die Atmophäre hier ganz besonders.

Zehn Minuten zu Fuß und wir sind schon beim Parasuramesvara-Tempel. Die Form ist sehr ähnlich wie die des Rajarani Tempels, aber hier ist nicht nur der Turm mit Steinreliefs geschmückt. Rund um den Tempel herrscht wohltuende Ruhe, denn auch er liegt inmitten eines Parks.

In demselben Park nur wenige Gehminuten entfernt leigt der Muktesvar Tempel. Da er nicht nur aus einem einzigen Turm mit Andachtsraum beteht sondern aus einem ganzen Tempeln-Ensemble, hat er mir am besten gefallen. Hier waren auch mit Abstand die meisten einheimischen Sonntagsbesucher unterwegs. Eine Besonderheit des Muktesvar Tempels ist der reich geschmückte Torbogen. In der mittelalterlichen Tempelbaukunst ist dies nahezu einzigartig. 

Schließlich setzen wir Srikant zuhause ab und verlassen Bhubaneshwar schon wieder. 

Streetlife und Handwerker-Dörfer in Odisha und Chhattisgarh

Wir haben uns viel vorgenommen für unsere Tour durch Odisha und Chhattisgarh. Insgesamt liegen mit allen Abstechern fast 1.400 km vor uns auf der Strecke zwischen Bhubaneshwar und Raipur. Für Prashan eine Mammut-Aufgabe in den nächsten zweieinhalb Wochen.

Einmal mehr fasziniert uns das indische "Streetlife". Überlandfahrten in Indien sind anders wie anderswo und für mich nie langweilig und halteen jede Menge Eindrücke und Skurilitäten für uns bereit. Gerade hier in den eher ländlichen Bundesstaaten in Odisha und Chhattisgarh spielt sich noch viel mehr Alltagsleben auf den Straßen ab.

Menschen transportieren unfassbare Mengen an Gütern am Fahrbahnrand auf ihren Köpfen oder auf ihren Fahrrädern oder Motorrädern.

Garniert wird das ganze von spielenden Kindern, Hunden und heiligen Kühen. Zwischendurch bewegen sich völlig überladene Kleintransporter, die man unter ihrer Ladung kaum noch sieht.

Eine willkommene Abwechslung während der Überlandfahrten in Odisha und Chhattisgarh sind Abstecher in die kleinen Dörfchen, die oftmals nur wenige Meter abseits der Straße liegen. Meistens sind es Handwerker-Dörfer, die sich auf ein odisha-typisches Kunsthandwerk spezialisiert haben.

Weberdorf Mapatna bei Dhenkanal in Odisha

Einen ersten Halt legen wir in Mapatna ein. In dem Weberdorf haben sich die Familien die verschiedenen Arbeitsschritte untereinander aufgeteilt. Es wird gesponnen, gefärbt und gewebt und so miteinander bis zum fertigen Stoff alles selbst hergestellt. Dadurch kann die Dorfgemeinschaft den größtmöglichen Gewinn erzielen, der dann untereinander geteilt wird.

Besucher können sich die Arbeitsschritte in den Häusern anschauen, wo die wunderschönen fertigen Stoffe auch zum Kauf angeboten werden. Anders wie sonst meistens in Indien üblich sind diese Arbeiten nicht allein Frauensache. Auch die Männer helfen tatkräftig bei jedem der Arbeitsschritte. 

Metallhandwerkerdorf Sadeibareni bei Dhenkanal

Fast noch interessanter finde ich allerdings das Dorf Sadeibareni. Hier hat man sich auf das Metallhandwerk spezialisiert und arbeitet hauptsächlich im Freien. So kann man so manchen Bearbeitungsschritt sehr viel besser beobachten. Voller Stolz zeigen die Einheimischen ihre Arbeiten.

Mit einfachsten Mitteln entstehen hier kleine Kunstwerke aus Metall wie Schildkröten, Löwen, Elefanten und vieles mehr. Die Einheimischen lieben diese Figuren als Schmuck in ihren einfachen Hütten und je nach Motiv auch für ihre Haus-Altäre. Verkauft werden sie direkt hier im Dorf und auf den einheimischen Wochenmärkten in der ganzen Umgebung. Auch für Touristen sind sie ein schönes Souvenir.

Für die Herstellung wird nicht viel mehr als ein Lehm-Ton-Gemisch, Wachs-"Spagetti" und natürlich geschmolzenes Metall benötigt. Es ist interessant zu sehen, wie das weiche Wachs durch eine Apparatur gepresst wird, die tatsächlich einer etwas überdimensionierten Spagetti-Presse ähnelt. Der Grundkörper der Figur wird aus dem Lehm-Ton-Gemisch vorgeformt und mit den Wachs-"Spagettii" kunstvoll umwickelt, so dass ein Abbild der späteren Figur entsteht.

Das ganze wird wiederum mit dem Lehm-Ton-Gemisch umhüllt und dann in der Sonne getrocknet. Wenn die umhüllende Masse hart geworden ist wird das ganze erhitzt, so dass das Wachs im Inneren flüssig wird. Schließlich wird das ganze vorsichtig angebohrt und die flüssige Wachsmasse läuft heraus. Die Form wird mit geschmolzenen Metall durch die kleine Öffnung befüllt und härtet aus. Später wird die Lehm-Ton-Masse abgehauen, die Metallfigur gereinigt - und die kleinen Kunstwerke sind fertig!

Metallhandwerkerdorf Kumharpara in Chhattisgarh

Einige Tage später sind wir auf dem Weg von Jagdalpur nach Raipur. Im Dorf Kumharpara kommen wir noch einmal in den Genuss von Metallhandwerksarbeiten, die uns wirklich begeistern. Allerdings sind die Kunstwerke um einiges größer im Vergleich zu Sadeibareni in Odisha. Auch hier werden wir fast überschwenglich herzlich willkommen geheißen - westliche Touristen kommen sehr selten her.

Von dem filigran und aufwendig gearbeiteten Hoftor sind wir arg begeistert. Die Einheimischen sind es anscheinend auch, denn im Dorf finden wir einige Hofeingänge, die mit vergleichbaren Metalltoren geschmückt sind. Überhaupt macht das Dorf einen recht wohlhabenden Eindruck. Die Häuser und die Innenhöfe sind sehr gepflegt und farbenfroh angestrichen.

Dhenkanal und das Sadhu-Festival, die Joranda Mela

Etwas außerhalb von Dhenkanal findet jedes Jahr im Februar das große Sadhu Festival im Joranda Kloster statt. Die Sadhus der asketischen Mahima-Glaubensrichtung pilgern teilweise von weither, um das heilige Feuer für Frieden und Harmonie im Universum zu entzünden. Auch wir machen uns auf den Weg dorthin. Von Bhubaneshwar nach Dhenkanal sind es gerade einmal um die 60 Kilometer.

Die letzten Kilometer vor dem Joranda Kloster sind die Straßen ziemlich verstopft - und dass obwohl der Hauptfesttag erst morgen ist. Wir kommen nur noch "stop and go" voran - allerdings sehr viel mehr Stop als Go!

Den letzten Kilometer gehen wir lieber zu Fuß. Kanha, der uns die nächsten Tage als Guide begleitet, muss uns den Weg nicht zeigen. Wir müssen nur den Menschenmassen folgen. Viel schwieriger ist es, sich nicht aus den Augen zu verlieren.

Rund um das beeindruckende Kloster herrscht ausgelassene Jahrmarkts- und Bazarstimmung. Verkaufsstand reiht sich an Verkaufsstand. Hier kann man sich mit nahezu allen Leckereien versorgen, die das Herz begehren könnten.

Wie bei vielen großen indischen Festen darf auch hier die Pilger-Großküche nicht fehlen. Für kleines Geld können die Besucher ein einfaches Mahl mit Reis und Gemüse erhalten.

Die Feuer-Zeremonie für Frieden und Harmonie im Universum

Am späten Nachmittag wird es höchste Zeit sich einen Platz im Innenhof des Joranda Klosters für die Feuer-Zeremonie zu sichern. Es ist bereits unglaublich voll als wir nach langem Anstehen schließlich in den Innenhof gelangen. Die Frreundlichkeit der Inder ist unglaublich. Sie scheinen sich wirklich zu freuen, dass sich Touristen für ihr Fest interessieren. Die Menschen rücken zusammen und zeigen uns, wo wir am besten stehen können, um die Zeremonie zu beobachten.

Dann ist es endlich so weit! Stimmungsvoll setzt die Dämmerung über dem Joranda Kloster ein. Ein hochranginger Saddhu entzündet unter dem Jubel und den Gebeten der Zuschauer eine erste Öllampe.

Nach und nach werden alle Öllampen mit religiöser Andacht entzündet. Immer wieder wird Öl aufgefüllt, um die Flammen für Frieden und Harmonie im Universum am brennen zu halten und dem Feuer gehuldigt.

Noch ganz beeindruckt von der stimmungsvollen Zeremonie und der schönen Atmosphäre verlassen wir den Innenhof des Joranda Klosters. Prashan steht mit dem Wagen direkt vor dem Ausgang des Klosters. Schnell machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel in Dhenkanal bevor die Straßen von Menschenmassen verstopft sind.

Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir uns noch einmal auf den Weg zum Joranda Kloster unterwegs. Zu gerne möchten wir uns noch einmal etwas intensiver mit weniger Gedrängel auf dem Klostergelände und in der Umgebung umschauen. Inzwischen ist nicht mehr gar so viel los, denn das eigentliche Fest ist jetzt vorbei. Auch in den Pilgerunterkünften herrscht Aufbruchstimmung. Viele der Besucher richten ihr Gepäck und stehen kurz vor dem Aufbruch. Dabei wirft man uns hier ungläubige Blicke zu, denn Touristen kommen normalerweise nur sehr selten hierher.

Am frühen Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Dhenkanal, um noch ein wenig Müßiggang in unserem wirklich schönen und einzigartigen und geschichtsträchtigen Hotel zu genießen, von dem wir bisher noch nicht viel gesehen haben.

Unterkünfte in Dhenkanal

Die Auswahl an Unterkünften ist in Dhenkanal nicht besonders groß - entweder sind die Hotels und Gästehäuser sehr einfach und günstig oder etwas "netter" und dann auch gleich recht kostspielig. Wir haben uns für letztere Variante entschieden und sind im Dhenkanal Palace Hotel abgestiegen. Dabei handelt es sich um ein wirklich sehr schönes Heritage Hotel mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Heritage kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Erbe. Diese Hotels spiegeln das kulturelle Erbe des Landes wieder. Früher waren es Landhäuser, Herrenhäuser, Burgen oder Paläste reicher Kaufläute, hochrangiger Beamte oder Maharajas, die später zu Hotels umgebaut wurden mit sehr viel geschichtsträchtiger und landestypischeer Atmosphäre und einem besonderen Charme.

Diese ganz besondere Atmosphäre und der besondere Charme erfasst uns schon bei unserer ersten Ankunft im Dhenkanal Palace und hat uns während unseres gesamten Aufenthalts nicht mehr losgelassen. Man fühlt sich fast wie in einer Zeitmaschine zurückversetzt in eine andere Zeit.

Die Gebäude des Palastes umschließen einen großzügigen Innenhof mit einem schönen liebevoll gepflegten Garten mit lauschigen Sitzgelegenheiten. Was für eine herrliche Oase der Ruhe nach einem anstrengenden Besichtigungstag!

Die inzwischen 13 Gästezimmer, Aufenthaltsräume und der Essens-Saal rund um den Garten angeordnet.

Der ursprüngliche Palast wurde in den 1930iger Jahren vom damaligen Raja von Dhenkanal erbaut und ist seitdem in Familienbesitz. 1990 entschieden der Enkel des Rajas und seine Frau, dass sie die Zukunft ihres Palastes im Tourismus sehen. Ganz bescheiden haben sie die ersten vier Gästezimmer renoviert und erste Gäste beherbergt. Mit den Einnahmen aus der Zimmervermietung wurden im Laufe der Jahre weitere Zimmer und die Aufenthaltsräume hergerichtet. Inzwischen gibt es 13 großzügige blitzsaubere Gästezimmer alle mit eigenem Bad/WC und Klimaanlage. Bis heute kümmern sich die beiden Eigentümer gerne selbst um ihre Gäste, sind tagtäglich präsent und haben für alle Aniegen und Fragen ein offenes Ohr. Eines der schönsten und beeindruckendsten Heritage Hotels in Indien - nicht zuletzt wegen der sehr persönlichen Betreuung durch die Gastfamilie. 

Chandrabhaga Beach am Golf von Bengalen

Obwohl der Chandrabhaga Beach gerade einmal knapp 70 km von Bhubaneshwar entfernt ist kommen nur wenige Strandbesucher hierher. Touristen sowieso so gut wie gar nicht, aber auch die Einheimischen zieht es eher an den Strand von Puri. Dabei ist es auf der gut ausgebauten Straße nur eine kurze Fahrt. Wir beziehen unseren kleinen Bungalow im Lotus Eco Beach Resort, direkt am Meer bzw. an einer Lagune, die mit dem Meer verbunden ist.

Ein endloser fast menschenleerer Sandstrand lädt zu Strandspaziergängen ein. Hier kann man die Seele richtig baumeln lassen.

Fischerdorf Nolia Sahi am Chandrabagha Beach

Nur wenige Kilometer vom Lotus Resort lohnt der Besuch des Fischerdorfes Nolia Sahi. Selbst als wir gegen Mittag dort ankommen herrscht am Strand immer noch reges Treiben. Die Fischerboote kommen mit ihrem Fang zurück an den Strand, andere fahren noch einmal hinaus, um die Netze auszuwerfen.

Währenddessen warten die Fischerfrauen am Strand auf die Rückkehr ihrer Männer und den Fang, um diesen zum Dorf zu bringen und zu verarbeiten. Dabei sitzen Sie am Strand beieinander und vertreiben sie sich die Zeit bei netter Unterhaltung.

Schüchtern werfen sie uns anfangs nur ganz verstohlene Blicke zu. Sie trauen sich kaum uns direkt anzuschauen. Aber nach einer Weile siegt die Neugier. Sie stellen uns Fragen, die wir aber leider nicht verstehen. Gottseidank ist Kanha, unser Guide, in der Nähe und kann übersetzen. Woher wir denn kommen? Wie lange es dauert von Deutschland hierher zu kommen? So weit her kommen wir, um sie hier zu besuchen?! Sie sind beeindruckt. Sie zeigen auf unsere Fotoapparate und fragen nach den Fotos, die wir gemacht haben. Nur zu gerne lassen wir Sie einen Blick auf das Display werfen.

Ob wir nicht mit ihnen in ihr Dorf kommen möchten. Ja, natürlich gerne. So machen wir uns gemeinsam auf den Weg den Strand hinauf. Gleich hinter der kleinen Düne liegt Nolia Sahi.

Hier in Nolia Sahi dreht sich nahezu das gesamte Leben der Menschen um den Fisch. Fast jede Familie lebt vom Fischfang.

Vorbei an frisch bepflanzten Reisfeldern und einer langgezogenen Lagune fahren wir zurück zum Hotel.

Auch heute lassen wir den Tag wieder mit einem Spaziergang am endlos langen Sandstrand von Chandrabagha ausklingen bis der Sonnenuntergang die Lagune in ein stimmungsvolles Licht taucht.

Der Sonnentempel von Konark - UNESCO Weltkulturerbe der Sonderklasse

Eigentlich hätten wir die wenigen Kilometer bequem zu Fuß vom Chandrabhaga Beach zum Konark Sonnentempel laufen können. Prashan schaut uns ungläubig an - wieso zu Fuß gehen, wenn man auch fahren kann. Unseren Guide Kanha hat er früh am Morgen gleich mitgebracht.

Obwohl wir so früh aufgebrochen sind ist auf dem Weg zum Sonnentempel von Konark schon viel Betrieb. Wir reihen uns ein in die Schar der Besucher. Für die Inder gehört die UNESCO-Weltkulturerbestätte mit zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern in Ostindien. Mitte des 13. Jahrhunderts sollen 12.000 Arbeiter diesen gewaltigen Tempel innerhalb von knapp zwanzig Jahren errichtet haben.

Warum dieser bedeutende Tempel gerade hier errichtet wurde können sich selbst Experten bis heute nicht erklären - weitab von allen größeren Städten nahe des winzigen Dorfes Konark mit gerade einmal 3.500 Einwohnern und so nah am Meer. Er ist eine einzigartige Mischung nord- und südindischer Einflüsse. Hier trifft der nordindische Nagara-Stil auf die südindische Dravida-Architektur.

Wie die Tempel von Khajuraho bestand der Sonnentempel ursprünglich aus einer Vorhalle und einem Tempelturm - allerdings kolossal größer. Allein die Vorhalle ist schon 70 m hoch und der irgendwann eingestürzte Tempelturm war mit Sicherheit fast doppelt so hoch. Auch einige Teile der Dachkonstruktion  sind im Laufe der Jahrhunderte eingestürzt, aber der Hauptteil des Tempels ist immer noch gut erhalten.

Der gesamte Tempel ist über und über mit Steinreliefs und Ornamenten verziert, die bis heute gut erhalten sind. Mit tausenden von Figuren werden Szenen aus dem höfischen Leben dargestellt. Andere stammen aus der indischen Götter- und Legendenwelt. Die vielen erotischen Darstellungen geben Zeugnis von der Freizügigkeit der damaligen Glaubens- und Lebensprinzipien.

Die gesamte Tempelanlage stellt den Wagen des Sonnengottes Surya auf seinem täglichen Weg über das Firmament dar. Sein Wagen wird auf der Ostseite von sieben Pferden gezogen, die gleichzeitig ein Symbol für die sieben Wochentage sind. Auf der Nord- und der Südseite befinden sich jeweils zwölf äußerst filigran aus dem Felsen gehauene Räder, die die zwölf Stunden des Tages symbolieren.

Wie überall auf dem Weg zu heilgen Stätten und Sehenswürdigkeiten herrscht auch beim Sonnentempel ausgelassene Bazarstimmung. Hunderte von Geschäften und Verkaufsständen bieten alles an, was das indische Herz begehren könnte. Wir haben erst einmal die Gelegenheit genutzt und mit erfrischender Kokusnussmilch "anzustoßen" auf die schöne Reise, die vor uns liegt.

Für viele Einheimische scheinen wir her schon fast eine Attraktion zu sein. Ausländische Touristen kommen ganz offensichtlich nicht allzu häufig hierher. Immer wieder kommen Einheimische schüchtern auf uns zu, um uns einfach nur die Hand zu schütteln oder uns ein "Welcome" zuzurufen. Andere fragen uns, ob sie ein Foto von uns machen können oder sich gemeinsam mit uns fotografieren lassen dürfen. So auch die nette Inderin. Beim ersten Foto steht sie noch ganz schüchtern und sehr zurückhaltend da. Aber beim Blick auf ihr eigenes Bild im Display der Kamera schenkt sie uns ein strahlendes Lächeln. Was für eine schöne Begegnung!

Puri - heiliger Jaganath Tempel und nochmal ein Traumstrand

Vom Chandrabhaba Beach in Richtung Süden und dann immer geradeaus! Nahezu endloser Sandstrand säumt die Küstenlinie Ostindiens entlang des Golf von Bengalens - nur unterbrochen von Flusseinmündungen und idyllischen Lagunen. Der nächste bekannte Traumstrand an der Ostküste Indiens ist nur 35 km entfernt, der Strand von Swargadwar - besser bekannt als der Strand von Puri. Er gehört zu den meistbesuchtesten Stränden an der Ostküste Indiens. Indische Touristen zieht es hauptsächlich hierher, denn Puri ist gleichzeitig einer wichtigsten Pilgerorte in Indien.

Grund dafür ist der bedeutende Jaganath Tempel, der aus dem 7. Jhd. stammt und im 12. Jhd. noch einmal komplett neu gestaltet wurde. Er liegt mitten in der Stadt und wird täglich von vielen tausend Menschen besucht. Der 400.000 Quadratmeter große Tempelkomplex liegt mitten in der Stadt und ist von allen Seiten weithin sichtbar. Er ist rundum von von einer Mauer umgeben. Vier wunderschöne mit filigranen Schnitzereien gestaltete Eingangstore führen in das Innere. Hier fasziniert der über 57 m hohe Tempelturm, der Haupttempel und weitere 30 Tempel.

In Puri verbindet sich in besonderer Weise die Lebensfreude der indischen Besucher an den feinsandigen Stränden mit der spirituellen Magie eine der bedeutendsten indischen Tempelstätten. Auch uns zieht es hierher und so quatieren wir uns noch einmal in einem schönen Strandhotel ein. The Hans Coco Palms liegt etwas weiter südlich und damit abseits vom großen Trubel nur durch die Uferpromenade vom herrlichen Sandstrand getrennt.

Hier lässt es sich aushalten! Da der Jaganath Tempel nur gut 3 km von unserem Hotel entfernt ist freuen sich Prashan und Kanha auf einen freien Tag. Wir sind zu Fuß unterwegs. Etwa anderthalb Kilometer folgen wir dem Strand in Richtung Norden und biegen dann beim Hotel Landmark in Richtung Innenstadt ab. Wir müssen nur die nächsten anderthalb Kilometer dem Strom der Pilger folgen, denn alle haben dasselbe Ziel. Der Jaganath Tempel ist das pulsierende Herz von Puri, umgeben von einem lebhaften Markttreiben.

Zahlreiche Barbiere bieten rund um den Jaganath Tempel ihre Dienste an. Sie sind gut beschäftigt, denn viele Tempelbesucher lassen sich zu Ehren des Gottes Jaganath die Haare abrasieren.

Was im sich im Inneren des Tempel-Komplexes abspielt bleibt uns leider verborgen. Nicht-Hindus dürfen den Tempel leider nicht betreten. Daraus haben die Eigentümer der umliegenden Häuser ein einträgliches Geschäftsmodell entwickelt. Sie stellen ihre Hausdächer gegen Entgeld für einen Tempel-Ausblick zur Verfügung. Eine der besten, aber auch teuersten Blicke bietet die Raghunandan Bibliothek, die dem Haupteingang an der Grand Road direkt gegenüber liegt.

Dieser prachtvolle Tempelkomplex ist für die Hindus die Residenz von Lord Jaganath, der eine Erscheinungsform des Gottes Vishnu ist. Neben Badrinath, Dwarka und Rameshwaram gehört der Jaganath Tempel zu den am meisten vereehrtesten Pilgerstätten Indiens, die jeder Inder einmal in seinem Leben besucht haben sollte. Gleichzeitig beherbergt das Tempelareal die größte Freiluftküche der Welt. Bis zu 100.000 Besucher werden hier für wenig Geld.

Zu Fuß zurück zum Hotel?! Auf keinen Fall! Da muss ein Tuktuk her. Wie immer und fast überall in Indien will uns der TukTuk-Fahrer erst mal so richtig abzocken - ausländische Besucher halt und dann noch zwei Frauen alleine unterwegs.... Er hat wohl gedacht er hätte leichtes Spiel. Erst nach zähen Verhandlungen und einem ordentlichen Preis nehmen wir Platz und sind schnell zurück am Hotel. 

Wie schön den Tag noch einmal mit einem Strandspaziergang auskliingen zu lassen. Wir treffen auf eine Schar junger Mädchen, die anscheinend ganz erpicht darauf sind mit uns in Kontakt zu kommen und dabei gleich ihre Englischkenntnisse mal ein wenig auszuprobieren.

Chilika Lake - Naturparadies am Golf von Bengalen

Eines der schönsten Naturparadiese im ostindischen Odisha ist der Chilika See 50 km südlich von Puri. Dieser See ist eigentlich eine riesige Lagune - die größte in Asien und die zweitgrößte der Welt. Nur ein schmaler Landstreifen trennt sie vom Golf von Bengalen mit dem sie durch einige kleine Abflüsse verbunden ist. Sie ist zwischen 900 und 1.100 km² groß - je nach Jahreszeit und den Auswirkungen von Trocken- und Regenzeit.

Von November bis Februar ist der Chiliko See ein Paradies für Vogelliebhaber. Bis zu 1 Mio. Zugvögel kommen zum Überwinten und Brüten hierher. Sie haben dann teilweise eine weiter Reise hinter sich vom Kaspischen Meer, dem Baikalsee, aus der Mongolei, aus Afghanistan, dem Irak, Iran und der Himalaya-Region. Die meisten von Ihnen werden jedes Jahr wieder auf Nalbana Island mitten im Chiliko See gesichtet.

Der Chilika See ist aber auch für seinen Fischreichtum bekannt. Über 300 verschiedene Fischarten wurden bisher dokumentiert. Außerdem bieten viele Arten von Krebsieren und Krabben den Vögeln einen reiches Nahrungsangebot. SDaogar die seltenen Irrawaddi-Delfine gibt es hier und so manches Mal wandert eine kleine Anzahl von Großen Tümmlern durch die Lagunenöffnung in den Chilika See. Es wurde sogar schon von Bullhaien berichtet, die auf Delfinjagd im Chilico See unterwegs waren. Der Fischreichtum bietet auch 140.000 Fischerfamilien ein gesichertes Einkommen.

Auf unserer Fahrt von Puri in die Bergwelt der Eastern Ghats machen wir einen Abstecher zum Chilika See. Im Vogelschutzgebiet am Nordwestufer des Chilika Sees bei Mangalajodi unternehmen wir eine einstündige Bootstour. Das ist natürlich viel zu kurz für eine so beeindruckende Naturlandschaft, aber selbst in dieser kurzen Zeit haben wir viele verschiedene Vogelarten bewundern können.

Zu gerne hätten wir einmal die inzwischen sehr seltenen Irrawaddy Delfiine gesehen. Dafür war einfach nicht genug Zeit und wir hätten auch in einer anderen Region des Chilika Sees nunterwegs sein müssen. In Rhambha am Südende des Chilika Sees in etwas offenerem und tieferem Wasser soll man guten Chancen haben die Irrawaddy Delfine zu sehen. So nehmen wir mit den Vögeln vorlieb, die in ihrer Vielfalt wirklich sehr beeindruckend sind.

Die Wochenmärkte der Stammesvölker in Odisha

Zusammen mit den Staaten der "Seven Sisters" in Nordostindien und dem Nachbarstaat Chhattisgarh gehört Odisha zu den indischen Bundesstaaten mit dem größten Anteil an Stammesvölkern. Allein 62 verschiedene Stammesgruppen gibt es in Odisha. Sie leben hauptsächlich in der Bergwelt der Ost-Ghats - oft sehr zurückgezogen in abgelegenen Dörfern, die für Touristen kaum oder gar nicht zugänglich sind. Deshalb sind die wöchenlichen Märkte die beste und oft die einzige Möglichkeit die Angehörigen dieser Stammesgruppen zu treffen.

Jede Region hat an einem Wochentag ihren eigenen festen Markttag. Teilweise nehmen viele der Stammesangehörigen eine lange Anreise oft zu Fuß in Kauf, um den Markt zu besuchen. Zwei der Hauptorte, von denen man einige der interessantesten Märkte besuchen kann sind Rayagada und Jeypore.

 

Wochenmarkt in 

 

 

 

Selbst nennen sich die Stammesangehörigen oft Adivasi.  Die Bezeichnung stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie "erste Siedler" oder "ursprüngliche Einwohner". Das darf man wörtlich nehmen, denn sie waren die ersten, die in Urzeiten den indischen Subkontinent bevölkerten.

In dieser Zeit lebten die Adivasi als Hirtennomaden, Fischer, Waldfeldbauern, Jäger und Sammler in einem dichten bewaltedeten Land. Erst sehr viel später zwischen 2500 und 1500 v. Chr. wurde der indische Subkontinent von zentralasiatischen kriegerischen Hirtenvölkern erobert und die Adivasi zogen sich mehr und mehr in die entlegenen ländlichen Regionen zurück. Bis heute lebt ein Großteil der Adivasi auf dem Land und die Hälfte im Wald- und Bergland im sog. "Stammesgürtel", der von Gujarat im Westen und den "Seven Sisters" im Osten Indiens reicht.

Kommentare powered by CComment