Ein langgehegter Traum wird wahr! Die Berggorillas in Uganda! Sie stehen schon so lange und mit drei Ausrufezeichen auf meiner "Liste vor der Kiste! Gleichzeitig ist das mein erstes Mal in Afrika. Selten war ich so gespannt auf eine Reise. Zweieinhalb Wochen habe ich geplant für schönsten Nationalparks.

Gemeinsam mit einer Agentur direkt in Uganda, die mir von Freunden empfohlen worden war, hatte ich die Tour geplant. Einige der bedeutendsten Nationalparks des Landes stehen auf meinem Programm. Auf jeden einzelnen dieser Nationalparks freue ich mich. Das wichtigste sind für mich allerdings die Berggorillas. Meine Erwartung ist groß, meine Sorge allerdings auch, denn ganz einfach soll die Wanderung ja nicht sein.

Uganda war recht gut durch die Corona-Krise gekommen - hatte nur ganz kurz zwischendurch mal auf der Risikoliste des RKI gestanden. Auch die Einreisebedingungen waren für doppelt Geimpfte o.k. Einen Tag vor meiner Abreise gab es noch eine erfreuliche Neuerung - die Testpflicht nach der Ankunft mit Warten auf das Testergebnis war weggefallen. So brauchte ich nur meine Impfbescheinigung und einen negativen PCR-Test mitzubringen, der nicht älter als 72 Stunden ist.

Ein langgehegter Traum wird wahr! Die Berggorillas in Uganda! Sie stehen schon so lange und mit drei Ausrufezeichen auf meiner "Liste vor der Kiste! Gleichzeitig ist das mein erstes Mal in Afrika. Selten war ich so gespannt auf eine Reise. Zweieinhalb Wochen habe ich geplant für schönsten Nationalparks.

Gemeinsam mit einer Agentur direkt in Uganda, die mir von Freunden empfohlen worden war, hatte ich die Tour geplant. Einige der bedeutendsten Nationalparks des Landes stehen auf meinem Programm. Auf jeden einzelnen dieser Nationalparks freue ich mich. Das wichtigste sind für mich allerdings die Berggorillas. Meine Erwartung ist groß, meine Sorge allerdings auch, denn ganz einfach soll die Wanderung ja nicht sein.

Uganda war recht gut durch die Corona-Krise gekommen - hatte nur ganz kurz zwischendurch mal auf der Risikoliste des RKI gestanden. Auch die Einreisebedingungen waren für doppelt Geimpfte o.k. Einen Tag vor meiner Abreise gab es noch eine erfreuliche Neuerung - die Testpflicht nach der Ankunft mit Warten auf das Testergebnis war weggefallen. So brauchte ich nur meine Impfbescheinigung und einen negativen PCR-Test mitzubringen, der nicht älter als 72 Stunden ist.

1. Tag: Von Köln über Istanbul nach Entebbe

Die Flugpläne nach Uganda sind wegen Corona noch ziemlich mager. Die einzige sinnvolle Wahl ist für mich Turkish Airlines Die Verbindung ist allerdings sehr anstrengend - über vier Stunden Umsteigezeit in Istanbul auf dem Hinflug - auf dem Rückflug sind es sogar über sechs Stunden. Irgendwie habe ich die Wartezeit jedoch ganz gut hinter mich gebacht und es geht endlich weiter in Richtung Entebbe.

2. Tag: Entebbe - "ene Besuch im Zoo - oh oh oh"

Mit einer Viertelstunde Verspätung landen wir kurz nach halb vier in der Nacht. Die Sicherheitskontrollen sind streng. Pass, PCR-Test und der online beantragte Visa-Letter werden mehrere Male kontrolliert. Dann ist das Visum und der Einreisestempel endlich in meinem Pass. Mein Gepäck ist eines der letzten auf dem Band. Am Ausgang gibt es dann noch einmal eine Passkontrolle und auch die Gepäckabschnitte werden genau kontrolliert.

Wie auf jedem Flughafen der Welt ist auch hier die Schar der Taxifahrer groß. Einige preisen ihre Dienste an – andere warten mit Schildern auf ihre Gäste. Wer von denen ist denn jetzt wohl Chance? Langsam gehe ich den Weg entlang. Da ganz am Ende schaut mich ein sympathischer junger Mann fragend an. Dann hält er mir einen Zettel entgegen „Welcome Gaby!“

Mit Chance werde ich also in den nächsten zweieinhalb Wochen in Uganda unterwegs sein. Er ist 28 Jahre jung und arbeitet schon seit einigen Jahren als englischsprachiger Fahrer-Guide. Viel Zeit zum Unterhalten und Bekanntmachen haben wir nicht, denn vom Flughafen zum Via Via Gästehaus sind es gerade einmal zehn Minuten. Gottseidank! Nach fast 24 Stunden auf den Beinen und unterwegs freue ich mich nur noch auf mein Bett. Wir verabreden uns für 13 Uhr, damit ich wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf bekomme – inzwischen ist es nämlich schon fünf.

Um neun Uhr siegt die Neugier. Ich schaue mich erst einmal etwas genauer um. Mit der großen Fensterfront hinaus zum Garten ist das Zimmer wirklich schön. Die Bungalows, auf die sich die Zimmer verteilen, liegen ganz idyllisch in einem sehr gepflegten und trotzdem naturbelassenen Garten.

Ein wirkliches Kleinod ist allerdings das Via Via Cafe und Restaurant. Alles ist ganz offen gestaltet – die Tische stehen auf mehreren Ebenen unter schattenspendenden Bäumen und hoch über einem kleinen See mit weitem Blick über eine baumbestandene Landschaft – das ist Idylle pur! Vogelliebhaber kommen hier so richtig auf ihre Kosten. Es zwitschert, kräht und keckert aus allen Richtungen.

Pünktlich um 13 Uhr ist Chance da. Wir fahren auch gleich los, denn wir haben einiges auf dem Plan. Im Wildlife Education Center – man könnte es auch landläufig Zoo nennen – schauen wir uns im Schnelldurchgang die interessantesten Tiere an.

Hier bekommst Du schon mal einen Eindruck, was dich alles auf unserer Reise erwartet, meinte Chance mit einem breiten Lachen. Na, wenigstens habe ich sie dann hier gesehen falls es in freier Wildbahn nicht klappen sollte. Nach den Berggorillas kommen gleich die Schimpansen auf meiner Wunschliste. Ich bin wirklich sehr gespannt, was mich erwartet.

Dann geht es gleich nebenan in den so vielgepriesenen botanischen Garten. Die Idylle auf den Hügeln am Ufer des Victoria Sees wird jedoch ganz empfindlich gestört. Es ist Sonntag und halb Entebbe scheint hier zu sein – Picknicken und Chillen ist angesagt – laute Musik dröhnt aus allen Richtungen. So schnell wie wir gekommen sind sind wir auch wieder verschwunden.

Da nutzen wir die Zeit lieber, noch einige wichtige Dinge zu erledigen – Geld wechseln und eine ugandische Mobilfunkkarte. Chance empfiehlt Airtel – die hat er selbst und auf seinen Touren ist die Abdeckung mit am besten. Dann bleibt sogar noch etwas Zeit für den Bazar.

3. Tag: Entebbe - Kampala - Ziwa Rhina Sanctuary - Budongo National Forest

Was für ein anstrengender Tag mit einem tollen Abschluss! Es beginnt mit Verkehrschaos pur! Leider können wir Kampala nicht umfahren wie es eigentlich geplant war. Wir müssen noch zur UWA, der Uganda Wildlife Authority, um die Nationalpark-Permits zu bezahlen. Eigentlich sollte das ja mit dem neu eingeführten Online-Bezahlsystem gehen, aber leider klappt das noch nicht. Also müssen wir das Geld persönlich abliefern, denn sonst werden die Permits in den Parks nicht akzeptiert.

Verkehrschaos habe ja schon viel erlebt – egal ob in Kathmandu, Delhi oder Calcutta… Das ist jedoch alles nichts im Vergleich zu Kampala. Über Kilometer zieht sich die Stop-and-Go-Fahrt – allerdings meistens mehr Stop als Go…

Dann noch das bürokratische Drama der Bezahlung. Zwei Stunden verschwindet Chance im Büro der UWA und ward nicht mehr gesehen. Natürlich sind wir nicht die einzigen, denen so ergangen war.

Endlich können wir weiterfahren - ist es schon zwölf Uhr. Gegen halb zwei haben wir es schließlich geschafft - wir passieren die nördliche Stadtgrenze von Kampala. Endlich geht es wenigstens zügig voran, aber es liegen noch einige Kilometer vor uns…Eigentlich wollten wir zu dieser Zeit schon im Ziwa Rhino Sanctuary sein. Dort kommen wir gerade noch rechtzeitig zu eine der letzten Nashorn-Tracking-Touren gegen halb vier an.

Im südlichen Headquarter bekommen wir von einem netten Ranger, der sich als Jeff vorstellt, sehr viel Wissenswertes über das Rhino Sanctuary erzählt. Nachdem die Nashörner in Uganda in den 1980iger Jahren durch Wilderei komplett ausgerottet waren, gab es 1997 erste Bestrebungen, sie wieder anzusiedeln. Dafür wurden von der privaten Ziwa Rancher Ltd. 70 km² Land abgetreten und mit Spendengeldern eingezäunt. Die ersten 28 Ranger wurden ausgebildet und 2005 das Ziwa Rhino Sanctuary eröffnet. Dafür bekam Uganda vier Nashörner von Kenia und zwei von den USA geschenkt.

Heute leben hier wieder 33 Rhinos, die von 150 Rangern Tag und Nacht bewacht werden. Jeweils 4-5 bewaffnete Ranger sind auf Abstand mit einer Rhino-Gruppe, die meistens aus vier bis fünf Tieren besteht, rund um die Uhr unterwegs. Die Tiere sollen nun so schnell wie möglich ausgewildert werden. Allerdings bereitet es noch große Probleme ein geeignetes Gebiet zu finden, wo die kostbaren Tiere auch sicher überwacht werden können und nicht gleich wieder der Wilderei zum Opfer fallen.

Über Funk erfährt Jeff von seinen Kollegen, die auf Beschützer-Tour sind, wo wir eine Gruppe Rhinos finden. Per Jeep und dann zu Fuß geht es in die entsprechende Richtung. Nach kaum fünf Minuten Fußmarsch entdecken wir die Gruppe – Mama Rhino mit ihrem etwa acht Monate alten Baby, ein älteres Jungtier und ein jüngerer Nashorn-Bulle.

Mit großem Geschick führt uns Jeff an die richtigen Stellen, wo wir die Rhinos nicht stören, aber trotzdem gute Fotos machen können. Über eine Stunde folgen wir ihnen so auf Abstand. Jetzt erweist es sich als Glücksfall, dass wir so spät gekommen sind, denn es ist die letzte Führung und Jeff hat Zeit. Man merkt wieviel Freude er daran hat, Gäste zu den Rhinos führen. So kommen wir dann sogar noch in den Genuss, den Tieren bei ihrem abendlichen Schlammbad zuzuschauen…

Noch ganz benommen von den tollen Eindrücken sitzen wir schon wieder in unserem Auto. Es liegen noch gut 100 km vor uns bis zum Budongo National Forest. Der gehört schon zum Murchison Falls Nationalpark. Chance drückt mächtig auf die Tube, denn um 19 Uhr wird der Parkeingang geschlossen. Um fünf vor sieben stehen wir vor dem Tor. Bis wir die Budongo Eco Lodge erreichen, ist es bereits dunkel und wir sind hundemüde…

4. Tag: Budongo National Forest - Murchison Falls Nationalpark

Früher Aufbruch!. Unser Ziel: die Murchison Falls, nach denen der Nationalpark benannt wurde. Wir folgen einer fast schnurgeraden Straße. Zunächst geht es fast nur durch Wälder, den Budongo Forest. Erst seit seit kurzem ist die Straße asphaltiert, erzählt Chance. Früher war die Fahrt hier wirklich abenteuerlich, wenn es geregnet hatte. Oft fuhr man knöcheltief im Morast. Daher auch der Name Budongo Forest. "Budongo" heißt so viel wie rutschig oder schlammig.

Später wird die Landschaft offener und bietet einen tollen Weitblick. Dann gelangen wir in die Nähe des Nils, der den Nationalpark in zwei Teile teilt – den südlichen und den nördlichen. Der südliche ist hauptsächlich bewaldet. Hier ist man am besten zu Fuß unterwegs. Nördlich des Nils liegen riesengroße Savannengebiete.

Schon beim Erreichen des Parkplatzes hören wir das Rauschen und Donnern des Murchhison Falls Wasserfalls. Ein Pfad führt direkt an das Ufer des Victoria-Nils. Gewaltige Wassermassen strömen vorbei und stürzen sich einige Meter weiter über riesige Felsstufen in die Tiefe.

Die aufspritzende Gischt zaubert Regenbögen gegen den tiefblauen Himmel. Wir steigen hinauf zu einem Ausschtspunkt. Als Chance dort direkt unter dem Regenbogen ist er restlos begeistert. Hier regnet es permanent feine Gischt-Tropfen und so werden wir ziemlich nass durch die natürliche sanfte Dusche - eine willkommene Erfrischung in der aufsteigenden Hitze des Tages.

Aus Richtung Osten vom Victoria See kommend fließt der längste Fluss der Welt als Victoria-Nil einige Kilometer nach den Murchison Falls in einem breiten Delta in den Albert See. Den verlässt er schon nach kurzer Strecke wieder in nördliche Richtung und wird ab hier Albert-Nil genannt. Weiter nördlich wird er dann zum „Weißen Nil".

Nur wenige Kilometer unterhalb der tosenden Wasserfälle fließt der Nil gemütlich durch die Landschaft. Hier ist nichts mehr zu spüren von der Wildheit der Wassermassen. Wir überqueren den Fluss und wechseln hinüber in den nördlichen Teil des Murchison Falls Nationalparks. Hier in der endlosen Savanne gib es den größten Tierreichtum des Parkes.

Unser erster „Game“-Drive im Murchison Nationalpark So werden hier die Safaris genannt. Anders als z.B. in Indien oder Nepal fährt man in Uganda mit dem eigenen Fahrzeug in die Parks auf Safari. Die Wege darf man dabei allerdings nicht verlassen. Auch das Aussteigen ist strengstens verboten. Viele Fahrzeuge haben ein Aufstelldach! Vor der Sonne geschützt steht man im Fahrzeug und hat einen tollen Rundblick.

Zu Beginn unseres Game Drives sehen wir nur wenige Tiere. Außer den fast allgegenwärtigen Antilopen gibt es einige Büffel und aus ganz weiter Ferne einige Elefanten und eine Giraffe.

Weiter im Westen geht es da schon viel lebhafter zu. Giraffen haben mich schon immer begeistert! Mehrere der stattlichen Tiere stehen direkt an oder sogar auf dem Fahrweg. Unser Auto stört sie nicht im geringsten. Eine der Giraffen weicht zwar einige Schritte zurück, äugt dann anscheinend neugierig und geht gleich wieder in aller Seelenruhe zu ihrem Fressprogramm über…

In der Nähe des Nils werden die Tiersichtungen noch zahlreicher. Eine Gruppe von Wildschweinen hat ein Wasserloch in Beschlag genommen. Auch einge der über 450 Vogelarten tummeln sich in der Nähe des Wassers. Da zückt auch Chance seine Kamera, um einige Aufnahmen zu machen.

Was für ein erlebnisreicher Tag! Allerdings sind wir in unserer Begeisterung viel länger als eigentlich geplant unterwegs. Das Mittagessen haben wir ausfallen lassen. Chance möchte unbedingt noch einen Löwen oder Leoparden finden. Das will aber einfach nicht gelingen. Schließlich machen wir uns doch auf den Rückweg. Dabei "stolpern" wir noch über eine kleine Elefantenherde, die mit einigen noch sehr kleinen Elefanten-Babys unterwegs ist.

Schon als wir mit unseren Toyota langsam zum Stehen kommen hat uns der Elefantenbulle genau im Visir. Mit aufgestellten Ohren stellt er sich in Positur. So verharrt er erst einmal eine Weile. Schließlich wird seine Aufmerksamkeit auf ein heranfahrendes Motorrad gelenkt wird. Der scheint ihm überhaupt nicht zu behagen. Zielstrebig bewegt sich das gewaltige Tier auf das Motorrad zu. Da dreht der Motorradfahrer doch lieber erst mal ganz flott um und bleibt erst in einiger Entfernung wieder stehen.

Der Elefantenbulle weicht nicht aus seiner Lauerstellung. Schließlich setzt Chance unser Fahrzeug zurück zwischen das Motorrad und den Elefanten. So kann der Motorradfahrer schließlich mit unserem Toyota als Schutzschild passieren.

Es ist schon später Nachmittag als wir in der Murchison River Lodge ankommen. Herrlicher Müßiggang mit Nilblick.

Die Zimmer in den großzügigen Safarizelten stehen mit viel Abstand zueinander im idyllischen Garten. Jedes verfügt über ein eigenes Badezimmer mit Dusche und manche haben sogar Nilblick.

5. Tag: Löwen, Leoparden und der Nil im Murchison Nationalpark

Um 6.30 Uhr sind wir schon wieder unterwegs. Dann sind die Löwen und Leoparden im Park besonders aktiv und oft noch auf Beutezug, meint Chance. Keine Frage - dafür verzichten wir gerne aufs Frühstück und nehmen mit einigen Snacks vorlieb. Die Sonne geht gerade erst über dem Nil auf als wir losfahren...

Schon gestern haben wir viele Antilopen gesehen. Das war allerdings nichts im Vergleich zu den Unmengen von Tieren, die am frühen Morgen auf Futtersuche sind. Wenn das nicht Löwen und Leoparden anlockt...Nach einer Weile stoppt Chance den Wagen. Schau, meinte er, die Antilopen fressen gar nicht und schauen ganz gebannt in dieselbe Richtung…vielleicht ist dort ein Löwe… Wir warten eine Weile, aber es tut sich nichts. Wir sind gar nicht weit gefahren als Chance erneut stoppt. Hier sind es einige Giraffen, die aufmerksam beobachtend an einem Wasserloch stehen...und tatsächlich...da kommt eine Löwin aus dem Dickicht und überquert in aller Gemütsruhe die Piste. Die Zeit reicht gerade für ein einziges Foto bevor sie im dichten Savannengras verschwindet.

Auf der Weiterfahrt gibt es erst mal keine weiteren „Vorkommnisse“. Eine Ansammlung von Fahrzeugen deutet auf etwas interessantes – also nichts wie hin. Gerade rechtzeitig! Eine Löwen-Mama mit ihren beiden noch sehr kleinen Babys kommt aus dem Gebüsch, überquert die Piste und verschwindet dort gleich wieder im nächsten Gebüsch. Für ein Foto hat der kurze Moment leider nicht gereicht. 

Die anderen Fahrzeuge fahren weiter, aber wir warteten noch etwas – vielleicht kommen die drei ja wieder aus dem Gebüsch hervor, wenn ein wenig Ruhe eingekehrt ist. Und tatsächlich - nach einer ganzen Weile bewegt sich etwas. Die Zweige rascheln – eines der kleinen Löwen-Babys kommt hervor - völlig arglos legt es sich in die Sonne – direkt vor unsere Kameras.

Nach kurzer Fahrt treffen wir wiederum auf eine kleine Ansammlung von Fahrzeugen – zwei Leoparden halten gerade Siesta hoch oben in einem Baum gleich neben der Piste!. Wie schön, nach Sri Lanka noch einmal Leoparden in freier Wildbahn zu sehen!

Kaum zu glauben, aber es ist schon elf Uhr. Wir machen uns auf den Rückweg. Von hier aus brauchen wir mindestens eine Stunden zurück nur Lodge, wenn uns nichts weiter mehr „über den Weg läuft“. Aber es läuft…ein Pärchen Hornbills – er prächtig mit dem typischen rotem und sie mit blauem Fleck am Hinterkopf. Und was uns nicht über den Weg läuft, das steht gleich neben dem Weg – Olimbis, die kleinste Antilopenart in Uganda und einige Elefanten mit kleinen Elefanten-Babys .

Am Nachmittag geht es auf den Nil auf einer Bootsfahrt. Zwar bin ich heute die Einzige, die die Tour bis zu den Murchison Falls gebucht hat, doch sie findet trotzdem findet statt, wenn auch in einem etwas kleineren Boot. Wir überqueren den Fluss und dann geht es flussaufwärts entlang des idyllischen Nordufers.

Außer dem Bootsmann ist noch Park-Ranger Jeff als Führer dabei. Es ist unglaublich, was er alles sieht. Das riesige Krokodil ganz versteckt im Uferdickicht wäre mir nie aufgefalllen. Nur wenige Meter weiter ist einer der seltenen Sattelschnabelstörche am Ufer unterwegs.

Am meisten begeistern mich aber die Flusspferde, die hier nur kurz Hippos genannt werden. Viel sieht man ja im Wasser nicht von Ihnen - oft nur die Augen und ein Paar Ohren und manchmal noch die knubbeligen Nasenlöcher dazu.

4.000 von Hippos gibt es im Park, meint Jeff – außerdem inzwischen wieder 2.700 Elefantn, 3.000 Giraffen und 120 Löwen – Jeff ist ein Quell des Wissens! Unglaublich, wieviele dieser Tiere sich hier am Ufer des Nils tummeln. Elefanten und Büffel haben sich zuhauf eingefunden – die Hippos sind mit Abstand am zahlreichsten – außerdem noch unzählige Wasservögel, Wildschweine und jede Art von Antilopen. Herrlich - gemütlich und in aller Ruhe im Boot sitzen und die beeindruckende Natur und das Tierleben an sich vorbeiziehen lassen…

Nach knapp zwei Stunden kommen wir in Sichtweite der Murchison Falls. Wegen des aufgewirbelten Wassers können wir leider nicht so nah heranfahren, aber der Anblick ist auch so beeindruckend.

Nur sechs Meter breit ist der Felspalt durch den sich der längste Fluss der Welt hier 43 m tief in ein wild schäumendes Felsenbecken stürzt. Die Wassermassen sind so gewaltig, das viele Fische den Sturz nicht überleben und leichte Beute für die Krokodile werden.  

Inzwischen verdunkelt eine schwere Wolkenfront den Himmel. Von weitem lässt sich ein erstes dumpfes Grollen vernehmen. Nun aber auf dem schnellsten Weg zurück. Wir nehmen die sehr viel kürzere Strecke entlang des Südufers. So schneiden wir einige große Kehren des Nils ab. Schon nach einer Stunde erreichen wir den Bootsanleger - gerade noch rechtzeitig vor den ersten dicken Tropfen.

6. Tag: Zum Albert See

Früher Aufbruch! Auf einer abgelegenen Nebenstrecke fahren wir in Richtung Süden. Wir wollen direkt an das Ufer des Albert Sees nach Butiaba, einem der größten Fischerdörfer. Gottseidank hat es gestern nicht allzuviel geregnet sonst würde die Fahrt auf der nicht asphaltierten Straße schnell zur Schlammschlacht. Wir passieren kleine Dörfer mit grasgedeckten Lehmhäusern, Rinderherden auf der Straße und den kleinen Ort Bulisa.

Autoverkehr gibt es hier fast gar nicht. Meistens sind die Einheimischen zu Fuß oder mit Sammeltaxis unterwegs. Ein Fahrrad ist hier schon eine Errungenschaft und ein kleines Moped ein Luxus, den sich nur wenige leisten können. Immer wieder begegnen uns Frauen, die schwere Lasten auf dem Kopf balancieren und sich dabei mit beindruckender Leichtigkeit und elegantem Gang fortbewegen. Mindestens ebenso  beeindruckend ist es, was man in Uganda alles auf einem Fahrrad oder Motorrad transportieren kann...

Schon gegen halb zehn erreichen wir den Albertsee in Butiaba. Fischerboote säumen das Ufer. Mit über 5.e00 km² ist der Albertsee neben dem Victoria-See eines der größten und vor allem auch fischreichsten Binnengewässer in Uganda. Von hier aus wird der Fisch jeden Morgen fangfrisch in Kühlwagen nach Kampala und in den Kongo transportiert.

Wir schlendern entlang der Uferstraße. Viele Geschäfte sind geschlossen. Lediglich einige Essensstände sind gut besucht.

Von weitem hören wir Musik und dann sehen wir auch schon eine große Menschenansammlung am Ufer. Der halbe Ort scheint sich hier versammelt zu haben. Heute ist ein Schwimmlehrer nach Butiaba gekommen und gibt Schwimmunterricht, erfährt Chance. Da es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt wird fleißig geübt - und wer es nicht selbst probiert schaut wenigstens zu...

Die andere Hälfte der Einheimischen scheint gerade auf dem nahegelegenen Markt unterwegs zu sein...

An den lecker duftenden Jackfrüchten (...nicht zu verwechseln mit der ganz ähnlich aussehenden stinkenden Durianfrüchten aus Astien...) konnte Chance nicht vorbeigehen. Die sind sooo lecker, meinte er, die musst du unbedingt probieren! Nach einigen großen Stücken Jackfrucht probierten wir auch gleich noch das süße Brot von nebenan - ganz frisch in Öl gebacken. Herrlich - so ein improvisiertes köstliches Mittagsmahl!

Schließlich reißen wir uns von dem quirrligen Marktgeschen los. Noch etwa zwei Stunden brauchen wir bis nach Tonya, einem weiteren Dorf direkt am Albertsee. Da es keine direkte Straße dorthin gibt fahren wir erst hinauf in die Berge in Richtung Hoima. Kurz vor Hoimar bieten wir ab in Richtung Buserika. Dann sind es noch etwa zwei Kilometer hinunter zur Kikonko Lodge, unserem heutigen Ziel. Die liegt hoch oben über dem Albertsee an einem Berghang. Die Aussicht ist phantastisch - die Lodge ist es auch!

Nur sechs Zimmer verteilen sich auf drei Bungalows und jedes hat einen schattigen Balkon mit Seeblick. Egal, ob vom Restaurant, dem Swimmingpool oder der Bar - der Seeblick ist hier allgegenwärtig. Eine wohltuende Oase der Ruhe - eine ideale Zwischenstation zwischen den Nationalparks und Safaris.

7. Tag: Albert See - Kasenda Kraterlandschaft - Kibale Forest Nationalpark

Chance schlägt vor eine Abkürzung zu nehmen. Wir schauen auf die Straßenkarte. Schau hier, meint er, wenn wir die Strecke über Kaseeta und Rwera nehmen schneiden wir den großen Bogen über Hoima ab. Die Straße ist zwar nicht geteert, aber gut zu fahren wenn es nicht geregnet hat. Also fahren wir los. Die Piste führt zunächst durch einen herrlich dichten Wald. Später schließen sich endlose Teefelder an.

Bei Kabwoya kommen wir wieder auf die Hauptroute, die von Hoima in Richtung Süden führt. Umso schneller kommen wir jetzt voran. Die knapp 250 km bringen wir einigermaßen flott hinter uns. Etwa 30 km südlich von Fort Portal, der größte Stadt in der ganzen Umgebung, machen wir einen Abstecher zur Kasenda Kraterlandschaft.

Über 30 Kraterseen gibt es alleine hier. Im gesamten Westen von Uganda auf dem afrikanischen Grabenbruch, der früher hochvulkanisches Gebiet war, gibt es 54 solcher Kraterseen. Sie formen eine der schönsten Landschaften in Uganda. Das ist Idylle pur in einer wirklich überbordenden Natur.

Wir wollen hinauf zum „Top oft the World“-Aussichtspunkt – eigentlich eher ein etwas breiterer Fußweg – für unseren Toyota nicht nur etwas schmal – auch ziemlich steil. Vom letzten Regen ist der Pfad stellenweise noch einigermaßen „budongo“ – schlammig und rutschig. Da müssen wir sogar den Vierradantrieb zuschalten.

Hier oben gibt es sogar eine kleine Lodge. Es müsste phantastisch sein hier ein oder zwei Tage zu verbringen, um die Umgebung zu erkunden und zu wandern. Was für ein Ausblick - pure Idylle bis zum Horizont!

Mein Freund Gilbert arbeitet als Manager in der Ndali Lodge, meinte Chance, wenn Du Lust hast können wir ihn mal besuchen. Die Ndali Lodge ist eine der schönsten Lodges in der ganzen Umgebung. Klar, wenn wir die Gelegenheit haben, uns bei der Gelegenheit die Lodge einmal anzuschauen, dann machen wir das doch. Mit einem kurzen Anruf kündigt uns Chance bei Gilbert an.

Am schönsten sind jedoch auch hier die Ausblicke über die weite Landschaft und die herrlichen Seen.

Für Vogelfreunde muss das hier das Paradies sein. Wohin man schaut geben sich gefiederte Besucher ein Stelldichein. Besonders Kingfisher sieht man hier sehr viel. Einer der schönsten ist der kleine Malachite Kingfisher oder auch der Woodland Kingfisher.

In kaum einer Stunde erreichen wir von hier aus den Kibale Forest Nationalpark und das Kibale Forest Camp mitten in einem herrlichen Wald.

8. Tag: Schimpansen-Habituation-Tracking im Kibale Forest Nationalpark

Um fünf Uhr klingelt der Wecker – um halb sechs gibts Frühstück und um sechs sind wir auf dem Weg zum Headquarter des Kibale Forest Nationalpark. Chance geht erst mal in’s Büro, um mich für das Schimpansen-Trekking zu registreeren. Freudestrahlend erzählt er mir, dass ich heute die einzige auf der Tour bin.

Pünktlich um halb sieben kommt ein bewaffneter Park-Ranger auf mich zu und stellt sich als Gorden vor. Ich solle mich nicht vor seinem Gewehr erschrecken, meint er in ziemlich gutem Englisch, das habe er nur zum Schutz dabei und bisher gottseidank noch nie gebraucht.

Dann mustert er mich erst einmal – mit den hohen Wanderschuhen und den Gamaschen scheint er zufrieden zu sein. Hast Du eine Regenjacke dabei? Ja! Hast Du Wasser dabei? Ja! Wieviel? Einen Liter! OK! Also geht’s los! Mit dem Wagen bringt uns Chance ein Stück die Straße hinunter. Hier steigen Gorden und ich aus und verschwinden in einem der schönsten tropischen Regenwälder Ugandas.

Gorden erklärt, dass es meistens etwa eine Stunde dauere bis man die Schimpansen-Gruppe findet. Mit seinen Ranger-Kollegen, die schon im Wald auf Schimpansen-Pirsch sind, steht er in Funkkontakt. So kann er mich ziemlich gezielt in die richtige Richtung führen.

Bei dem sog. „Habituation“-Trek hat man nach dem Auffinden der Schimpansen vier Stunden Zeit, ihnen auf ihren Streifzügen durch den Wald zu folgen, sie zu beobachten und natürlich zu fotografieren. Es gibt vier Gruppen von Schimpansen, erzählt Gordon, die „habituiert“ d.h. an Menschen gewöhnt sind - zwei Gruppen für Besuche von Touristen und zwei weitere Gruppen zu wissenschaftlichen Zwecken.

Etwas Sorgen machen Gorden einige Waldelefanten. Sein Kollege hat frische Spuren gesehen. Die sind etwas kleiner als die Savannen-Elefanten, erzählt er, aber auch aggressiver. Deshalb ist es besser, ihnen aus dem Weg zu gehen und sich sofort zurückzuziehen, wenn einer oder mehrere in der Nähe sind. Im Notfall würde er dann mit einem Schuss in die Luft versuchen, die Tiere zu vertreiben. Dann sind allerdings wahrscheinlich auch die Schimpansen weg…

Wir folgen dem engen Pfad immer tiefer in den Wald hinein. Schon nach gut einer halben Stunde treffen wir auf Gordons Kollegen Danson. Gemeinsam gehen wir weiter. Den Pfad haben wir inzwischen verlassen und es geht querfeldein durch das Unterholz. Teilweise hilft nur noch die Machete, um durch das dichte Dickicht hindurch zu kommen.

Am frühen Morgen findet man die Schimpansen am besten, erzählt Danson in nahezu fließendem Englisch, wenn man nach den Schlafnestern hoch in den Bäumen schaut. Jeder Schimpanse baut sich am Abend für die Nacht ein solches Schlafnest. Danson deutet hoch oben in einem der mächtigen Urwaldbäume auf ein dichtes Blätterknäuel. Es dauert nur zwei bis drei Minuten und die Äste sind miteinander verknotet und verwoben und bieten dem Schimpansen einen gemütlichen und vor allem sicheren Schlafplatz.

Meistens sind die Schimpansen dann am frühen Morgen noch in der Nähe unterwegs. Nach dem Aufwachen geht es nämlich erst mal zum Frühstück auf Nahrungssuche in den Baumwipfeln. Es ist unglaublich, wo Gorden und Danson die Tiere überall in schwindelerregender Höhe in den Bäumen entdecken. Mit einer wahren Engelsgeduld zeigen und beschreiben sie mir die Stellen.

Das Fotografieren ist auf die große Entfernung nicht so einfach. Trotzdem gelingt das eine oder andere Foto. Wir müssen noch ein wenig warten, meint Danson. Wenn wir Glück haben kommen einige Schimpansen nach der morgendlichen Futtertour hinunter, um durch den Wald zu streifen oder ein wenig zu chillen. So viel Kletterei und Fressen macht natürlich müde.

So war es dann auch. Immer mal wieder hangelte sich ein Tier nach unten, lief ein paar Meter durch das Unterholz und war dann allerdings meistens ziemlich schnell wieder auf dem Weg nach oben.

Einer aber blieb. Das ist Rusty, meinte Gorden, er ist ein ziemlich ranghohes Männchen in der Gruppe, kommt gleich mit einigen anderen hinter dem Alpha-Männchen – hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel – dürfte so zwischen 35 und 45 Jahre alt sein – schau, er hat schon einige graue Haar. Rusty lässt es ganz gemütlich angehen. Er bleibt gleich neben dem Baum sitzen, von dem er gerade heruntergeklettert ist. Unsere Anwesenheit stört ihn nicht im Geringsten. Egal, ob wir uns bewegen, um einen guten Standort zum Fotografieren suchen oder uns leise unterhalten – Rusty ist völlig entspannt – wendet nicht einmal den Kopf, wenn wir uns bewegen. Wir hätten genauso gut ein Baum, ein Strauch oder ein Stein sein können. Es sind kaum fünf Meter zwischen ihm und uns. 

Es ist ein unglaubliches Erlebnis, einem Schimpansen so nahe zu sein. Rusty bleibt sitzen – wir bleiben stehen. Schließlich steht er aber doch auf und geht in aller Gemütsruhe los – wir folgen ihm. Auch das stört ihn überhaupt nicht. Nach einer Weile hat er anscheinend ein schönes Plätzchen gefunden - zwischen einigen Sträuchern und dick mit Blättern ausgepolstert - offensichtlich ein idealer Platz zum Chillen.

Da sitzt Rusty in aller Gemütlichkeit, den Kopf auf die Knie oder die Hände gestützt, schaut mal in die eine – mal in die andere Richtung – wir interessieren ihn dabei nicht die Bohne! Schließlich macht er es sich richtig gemütlich – legt sich hin - mal auf die eine – mal auf die andere Seit. Zwischendurch setzt er sich wieder hin, gähnt einige Male herzhaft und stößt immer mal wieder einige ziemlich laute Rufe aus.

Wir bleiben in der Nähe stehen. Wieder sind es kaum fünf Meter, die uns von ihm trennen. Danson schlägt vor hierzubleiben. Vielleicht bekomm er ja noch Gesellschaft aus seiner Schimpansen-Gruppe. Nach über einer Stunde schaut Rusty ziemlich melancholisch drein. Ungeduldig stößt er immer wieder laute Rufe aus. Es scheint, meinte Gorden, dass er nach der Gesellschaft seiner Kumpels ruft – wahrscheinlich möchte er gerne gelaust werden. Aber von denen kommt leider keiner. Schließlich beginnt Rusty sich ganz bedächtig selber zu lausen…

Sie sind uns Menschen so ähnlich, meint Danson. Sie spielen, freuen sich, streiten sich, vertragen sich wieder und sind traurig. Über 50 verschiedene verbale Ausdrücke scheinen Schimpansen zu beherrschen, hätten Forscher herausgefunden. Darunter sind auch eine ganze Anzahl von Kraftausdrücken.

Dann ist plötzlich Aufruhr im Dschungel! Mit großem Gekreische hangelt sich ein jüngerer Schimpanse in Windeseile von Baum zu Baum gefolgt von einem größeren, der ziemlich aggressive Töne ausstößt. Es gesellen sich noch einige andere Schimpansen-Männchen hinzu und veranstalten einen einen großen Tumult. Da will Rusty offensichtlich auch mitmischen. Es geht rauf auf die Bäume und wieder hinunter – großes Hin und Her Gerenne und Gekletter. Nach einer Weile kehrt wieder Ruhe an.

Schließlich treffen wir noch auf den kleineren geflüchteten Schimpansen. Er sitzt etwas bedröppelt zwischen den Sträuchern. An seiner rechten Hand blutet er ein wenig. Er ist anscheinend auch einigermaßen fertig nach der großen Hatz auf ihn. Er legt sich erst mal nieder und streckt alle Viere von sich. Dass wir ganz in der Nähe stehen stört auch ihn dabei überhaupt nicht.

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen war und wir machen uns auf den Rückweg. In einer knappen Stunde sind wir zurück am Nationalpark Headquarter. Auf dem letzten Stück entlang der Straße kommt Chance vorbei und wir können uns die letzten Meter zu Fuß sparen.

Was für ein schönes Erlebnis. Das möchte ich erst einmal ein wenig "sacken" lassen und so verbringe ich einen entspannten Nachmittag auf der Verande meines Safarizeltes.

9. Tag: Kibale Forest - Ruwenzori Berge - Queen Elizabeth Nationalpark

Spontan haben wir uns entschlossen auf der Fahrt zum Queen Elizabeth Nationalpark noch in Richtung Ruwenzori-Berge zu fahren. Bei so viel flacher Savannenlandschaft vermutet man in Uganda keine bis über 5.000 m hoch aufragende und hier in den Tropen auch keine schneebedeckte Berge!

Es ist nur ein kleiner Abstecher von der Hauptstrecke um hinauf in die Berge zu gelangen. Nach einigen Kilometern sehen wir schon von weitem einige Berge aufragen. Die beiden ganz großen – Mt. Albert mit 5.087 m und Mt. Magherita mit 5.109 m, halten sich dezent im Hintergrund. Erst  nach einem Wandertag zeigt sich sich die beiden. Der Mt. Magherita ist immerhin der dritthöchste Berg in Afrika nach dem Kilimanscharo (5.895 m) und dem Mt. Kenia (5.194 m). Nur wenige Wanderer wagen sich bisher in diesen Zauberwald mit der größten Vegetationsdichte unseres Planeten, der die beiden 5.000er Eisriesen umgibt.

Wir schauen uns eine Lodge an, die Touren hinauf anbietet und auch das Headquarter des Ruwenzori Mountain Nationalparks ist ein wahrer Informatiosquell. Schön, dass man hier auf einer Trekkingtour nicht im Zelt übernachten muss sondern dass es kleine „Cabins“ mit Schlafmöglichkeiten und Verpflegung gibt. Vielleicht ist das ja mal eine Alternative zum Trekking in Nepal?!

Nach unserem Abstecher in die Berge liegen noch einige Kilometer vor uns zum Queen Elisabeth Nationalpark. Ein ziemlich unspektakuläres Hinweisschild am Straßenrand markiert den Äquator, den wir hier überqueren. Ein kurzer Halt. Wo hat man schon mal die Gelegenheit mit einem Bein auf der Nord- und dem anderen auf der Südhalbkugel unserer Erde zu stehen.

Jetzt ist es aber Zeit für eine Rolex, meint Chance. So wird in Uganda scherzhaft die "Roll of Eggs" genannt. Das Gericht ist hier so beliebt wie bei uns die Bratwurst an der Ecke. Wir halten am Straßenrand und lassen uns eine an einem der zahlreichen Straßenstände über einem glühenden Kohletopf zubereiten. Verquirlte Eier vermischt mit klein geschnippelten Tomaten-, Paprika- und Zwiebelstücken lässt man kurz in der heißen Pfanne über den Kohlen stocken. Dann kommt ein Chapati-Fladen oben drauf und das ganze wird aufgerollt - fertig ist eine Roll of Eggs. Richtig lecker!

Schließlich erreichen wir die Fähre über den Kazinga Kanal im Queen Elizabeth Nationalpark so gegen zwei Uhr. Es herrscht das absolute Chaos, denn einen anderen Weg über den Kanal gibt es nicht.

Die Brücke ist leider noch nicht ganz fertig – wird erst am 30. September eröffnet. Also gibt es für die meisten keine Alternative zur Fährüberfahrt. Die Schlange ist endlos. Wie lange soll es denn dauern, bis die alle übergesetzt sind – es passen gerade mal sechs Fahrzeuge auf die Fähre - das kann ja noch Stunden dauern. Deshalb schlägt Chance vor, den Wagen einfach hier stehen zu lassen.

Mit einem kleinen Charterboot überqueren wir den Kazinga Kanal und fahren direkt zu unserer Lodge, die etwas weiter flussabwärts direkt am Ufer liegt. Das dauert höchstens zehn Minuten. Morgen geht es dann auf demselben Weg und mit demselben Boot wieder zurück zum Auto und dann auf Safari. Die Idee ist Gold wert! Das spart uns einige Stunden Wartezeit.

Schon nach zehn Minuten erreichen wir die Bush Lodge, die etwas erhöht direkt über dem Kanal liegt. Der ist eigentlich gar kein Kanal sondern eine natürliche Verbindung zwischen den beiden großen Seen im Queen Elizabeth Nationalpark, Lake Edward und Lake George. Was für ein toller Ausblick direkt von der Terasse meines Safarizeltes. Von weitem hört man die Flusspferde grunzen, ein Elefant streut in der Ferne den Hang entlang und eine Schar Vervet Affen turnt im nahegelegenen Baum.

Später verabschiedet sich der Tag mit einem phantastischem Sonnenuntergang über dem Kanal.

10. Tag: Queen Elizabeth Nationalpark

Pünktlich um 6.30 Uhr ist das bestellte Boot da und wir schippern wieder über den Kazinga Kanal! Kaum eine Viertelstunde später fahren wir schon in Richtung Park-Headquarter, um uns für den gebuchten „Experiential Game Drive“ zu registrieren. Den gibt es nur im Queen Elizabeth Nationalpark. Viele der Löwen und Leoparden tragen ein Funkhalsband und werden per Antenne von einem mitfahrenen Park-Ranger geortet. So kann ist man ganz gezielt im Park unterwegs. Die Chance, dass man dabei Löwen und Leoparden sieht liegt bei mindestens 95 Prozent.

Heute sind vier Fahrzeuge zu dem „Experiental Game Drive“ angemeldet. Der Ranger mit der Antenne sucht sich ein Fahrzeug aus, in dem er voranfährt. Eine weitere bewaffnete Rangerin fährt ebenfalls zur Sicherheit mit. Sie stellt sich als Petra vor und sucht sich unser Fahrzeug als Mitfahrgelegenheit aus. Das bringt uns in den Genuss von vielen weiteren Informationen.

Petra erzählt uns, dass die Funkhalsbänder den Tieren ursprünglich nicht aus touristischen Gründen angelegt wurden. Der Auslöser war ein größeres Löwensterben vor einigen Jahren. Viele Tiere wurden krank und haben immer wieder Zähne verloren. Man konnte sich das nicht erklären. Durch das Nachverfolgen der Wanderungen hoffte man, den Grund dafür herauszufinden. Außerdem bot die Ortung den Rangern eine viel weitergehende Möglichkeit die Tiere zu schützen. Leider werden immer wieder Löwen von den Bewohnern der Dörfer in der Randzone des Parks vergiftet, erläutert Petra.

Das Vieh aus diesen Dörfern darf auch in einem Streifen entlang der Grenze innerhalb des Parkes weiden. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich ein Löwe oder ein Leopard eine Ziege oder ein Rind holt. Dann legen die Einheimischen immer mal wieder vergiftete Fleischköder aus. Löwen sind dadurch am meisten gefährdet, denn sie fressen auch Fleisch, das sie als Aas vorfinden. Leoparden tun das normalerweise nicht – sie fressen nur das, was sie selbst gejagt haben.

Da die Funksender regelmäßig mit neuen Batterien versehen werden müssen, ist das eine ziemlich teure Angelegenheit. Deshalb hat man angefangen, das gezielte Orten der Tiere auch für Safari-Gäste anzubieten. Das hat auch den großen Vorteil, dass die Safari-Fahrzeuge auf der Suche nach Löwen und Leoparden nicht stundenlang im Park hin- und herfahren, sondern die Suche sehr viel gezielter und damit schneller ist. Nachdem ein oder zwei Löwenrudel und ein Leopard gesichtet ist wird die Safari beendet. Das kann auch schon mal nach einer Stunde der Fall sein.

Kaum dass wir eine Viertelstunde unterwegs sind sieht Chance in einiger Entfernung mehrere Löwen. Petra schaut mit dem Fernglas und bestätigt das verwundert - was er denn für „Eagle Eyes“ habe. Der vorausfahrende Wagen mit der Funkortung war daran vorbeigefahren… Mit einer Handbewegung deutet Petra an, dass Chance querfeldein in Richtung der Löwen fahren solle.

Ein Rudel von zehn Tieren ist unterwegs. Der „Big Boss“ dieses Rudels ist Mike, erzählt Petra. Er ist mit vier ausgewachsenen Weibchen unterwegs und drei noch ganz jungen Babys im Alter von ca. zwei-einhalb bis drei Monaten. Außerdem sind noch einige Jungtiere im Alter von ca. eineinhalb Jahren dabei. Wir sind den Tieren vorausgefahen, die ganz offensichtlich in eine Richtung wanderten. So können wir sie beobachten, als sie auf uns zukommen und dann an uns vorbeiziehen. Was für ein Anblick aus solcher Nähe.

Inzwischen sind auch die anderen drei Fahrzeuge bei uns angekommen. Die Löwen beeindruckt das überhaupt nicht. Sie würdigten uns während der gesamten Zeit keines Blickes – auch nicht als wir ihnen wiederum ein Stück vorausfahren, um sie noch einmal beim Näherkommen und Vorbeilaufen zu sehen. Was für Erlebnis!

Der Vorteil auf diesen „Experientel Game Drives“ ist, dass man in Begleitung der Ranger auch von den Wegen abweichen und den Tieren folgen darf. Schließlich wenden wir uns schweren Herzens von dem Löwenrudel ab und folgen wieder dem „Funk“-Fahrzeug. Nun geht es um die Ortung eines Leoparden. So ganz nebenbei „stolpern“ wir dabei noch über eine Löwen-Mama mit zwei noch sehr kleinen Babys. Ganz offensichtlich hält sie intensiv Ausschau nach Beute und dabei den Blick starr auf eine Antilope-Herde in einiger Entfernung.

Petra äußert sich besorgt. Die Löwin sieht aber nicht gut aus, meine sie – sie ist etwas mager und die Kleinen auch! Offensichtlich ist sie alleine unterwegs und nicht in einem Rudel. Das macht es für die Löwin viel schwerer zu jagen.

Dann geht es weiter in Richtung Leopard. Wir folgen dem Signal bis in die Randzone des Nationalparks. Einen Leoparden finden wir aber trotz einigem Herumfahren nicht. Das vorausfahrende Fahrzeug hält an – wir anderen ach. Petra steigt aus und berät sich mit ihrem Ranger-Kollegen. Schließlich steigt sie wieder ein und erklärt, dass das Signal der Leopardin jetzt schon den dritten Tag hier geortet wird ohne das Tier zu finden. Hoffentlich wurde sie nicht von den Bewohnern des nahegelegenen Dorfes getötet und liegt hier irgendwo verendet in den Büschen.

Um sicherzugehen, dass das Signal auch richtig ist, steigt der Ortungs-Ranger zu uns ins Fahrzeug und weist Chance an, wo er langfahren soll. Eine gute Viertelstunde geht es um die Sträucher-Gruppe herum und teilweise auch mitten hindurch. Von allen Seiten will der Ranger die Ortung des Tieres noch einmal bestätigt wissen – ja, die Leopardin muss hier sein – das Signal ist ganz stark.

Per Telefon informieren die beiden das Headquarter und fordern eine Truppe Ranger mit Spezialausrüstung an. Die Koordinaten der Ortung schicke Petra per WhatsApp, so dass ganz gezielt gesucht werden kann. Damit ist die heutige Safari nach knapp ein-einhalb Stunden leider beendet. Es geht auf direktem Weg zurück zum Headquarter. Wann die Spezialtruppe denn wohl beginnen würden nach dem Leoparden zu suchen, fragte ich Petra. Gleich heute, antwortet sie, heute Abend wissen wir schon mehr. Auf meine Bitte gibt Petra Chance ihre Telefonnummer, denn wir wollen später gerne nachfragen, was aus der Leopardin geworden ist.

Jetzt gönnen wir uns erst einmal eine Mittagspause. Ganz in der Nähe kennt Chance ein kleines Restaurant, in dem sehr gut gekocht wird. Hier gibt es auch Matoke, das Nationalgericht in Uganda – ein fester Brei aus gekochten und gut gewürzten Kochbananen. Das will ich unbedingt mal probieren. Also gibt es heute Mittag Matoke, dazu einen vergleichbaren festen Brei aus Mais und dazu Reis. Außerdem haben wir uns einen gegrillten Fisch mit Fischsoße bestellt. Die Portion ist gewaltig! Davon schaffe ich höchstens die Hälfte. Die andere Hälfte hat Chance schnell verspeist.

Um ein Uhr beginnt die Bootsfahrt auf dem Kazinga Kanal. Das ist ein natürlicher Kanal, der die beiden großen Seen Lake Edward und Lake George im Queen Elizabeth NP miteinander verbindet. Die Namensgebung hat tatsächlich etwas mit dem englischen Königshaus zu tun. Nach einem Besuch von Queen Elizabeth in Uganda in den 1960iger Jahren wurden die ursprünglichen Namen geändert.

Die Bootsfahrt auf dem Nil im Murchison Nationalpark hatte mich ja schon wirklich begeistert. Das war allerdings fast nichts im Vergleich, was uns auf der Bootstour auf dem Kazinga Kanal erwartet. Etwa ein-einhalb Stunden fahren wir am Südufer des Kanals entlang bis zur Mündung in den Lake Edward. Kaum haben wir eine Gruppe Elefanten gesehen und fotografiert kommt auch schon eine Gruppe Hippos ins Blickfeld. So geht es unablässig. Fast die gesamte Tierwelt des QE-Nationalparks scheint sich hier am Fluss ein Stelldichein zu geben, um sich im Wasser abzukühlen. Was für ein Erlebnis! Selbst einige der massigen Hippos habe ich an Land gesehen!

Nun geht es zurück zur Lodge. Wenn da nur nicht die Fähre wäre! Heute gibt es keine Wahl – der Wagen muss mit! Vielleicht ist ja heute etwas weniger los?! Was für ein dummer Gedanke! Es stehen mindestens 12 Fahrzeuge in der Warteschlange vor uns. Ob ich vielleicht schon mal mit dem Boot zur Lodge rüberfahren wolle, fragt Chance, er würde dann mit dem Auto nachkommen. Was kostet denn das? 20.000 Uganda-Schillinge! Kaum zu glauben – gerade einmal etwas mehr wie fünf Dollar. Ja, das würde ich nur zu gerne – auch wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, Chance hier alleine warten zu lassen. Das lässt Chance jedoch nicht gelten und so arrangiert er flugs die Bootsfahrt für mich. Zweieinhalb Stunden später hat er dann auch endlich geschafft.

Beim Abendessen ruft Chance Petra an. Die Ranger haben die Leopardin gefunden. Zusammen mit ihrer Tochter saß Sie tief im Gebüsch versteckt. Zusammen verspeisten sie genüsslich eine Kuh. Da sie damit mehrere Tage beschäftigt waren, sind sie erst gar nicht mehr aus ihrem Versteck hervor gekommen. Die Ranger haben ihre Zelte jetzt in der Nähe der Tiere aufgeschlagen, um sie vor den Dorfbewohnern zu schützen bis sie wieder von dannen zieht. Gottseidank! Sie lebt!

 

Wenn Du mehr erfahren möchtest schau doch mal wieder vorbei. In den nächsten Tagen werde ich weiter über meine Reise-Erlebnisse in Uganda berichten.